
Phelsuma cepediana (MERREM, 1820) Blauschwanz Taggecko
(engl.: Blue-tailed day gecko)
- erfahrene Phelsumenpfleger
Phelsuma cepediana sind nicht gerade einfach zu halten. Immer wieder wird berichtet von der Hinfälligkeit der Weibchen über die Trächtigkeit. Auch drohen bei diesen Phelsumen eher Mangelerscheinungen bei nicht ausreichender Vitaminversorgung als bei anderen Arten, wie z.B. Phelsuma laticauda oder Phelsuma klemmeri. Aus diesen Gründen sollten sich nur erfahrene Phelsumenhalter mit der Haltung und Zucht von Phelsuma cepediana auseinandersetzen.
Das Verbreitungsgebiet von Phelsuma cepediana ist die zu den Maskarenen gehörende Insel Mauritius, östlich von Madagaskar. Hier trifft man sie allerorts vor, was wir bereits selbst zu unserer großen Freude während unseres Urlaubs 2006 erleben durften. Die Tiere sind absolute Kulturfolger und man trifft sie selbst in hochfrequentierten Hotelanlagen an fast jedem Baum an. Witzig war unser Besuch in einem bekannten Naturpark auf der Insel, wo wir lange verzweifelt an sehr schönen, abgelegenden Bereichen nach den Tieren Ausschau hielten, diese aber dann erst später zahlreich an einer Palme direkt neben einem Toilettenhäuschen vorfanden.

Die Jahresmitteltemperatur schwankt etwas je nach Region, aber selbst in den heißen Monaten des Jahres überschreitet das Thermometer selten die 30° Marke.
Bei Phelsuma cepediana handelt es sich zweifelsohne um einen der schönsten Vertreter der Gattung Phelsuma. Seinen deutschen Namen hat Phelsuma cepediana wegen der prächtigen Blaufärbung des Schwanzes bekommen, welches allerdings bevorzugt bei den Männchen anzutreffen ist. Die Grundfärbung ist grün mit einigen blauen Farbelementen an Schwanz, Kopf und Nacken. Der Rücken ist von einem herlichen roten Mosaik durchzogen. Lateral befindet sich ein bräunlicher Streifen, durch den die helle Unterseite von der Rückenzeichnung abgetrennt ist.
Auffällig ist bei Phelsua cepediana die prächtigere Färbung bei den Männchen. Man findet hier auch teilweise fast vollständige blaue Grundfärbungen vor. So schön diese Tiere auch in der Natur sind, so schnell verblasst allerdings ihre Färbung im Terrarium. Besonders die rote Farbe verblasst bei den Nachzuchten schnell zu einem unscheinbaren hellen braun. Dennoch sind die Blauschwanz Taggeckos aufgrund ihrer schönen Zeichnung auch trotz verblasster Rotfärbung noch attraktiv für die Terrarienhaltung.
Phelsumen vergesellschaftet man am besten 1,1, d.h. ein Männchen und ein Weibchen. (1,0 = Männchen / 0,1 = Weibchen) Zwar vertragen sich durchaus auch Weibchen untereinander, aber 1,2 oder 1,x, das heißt ein Männchen mit mehreren Weibchen, sollte nur von erfahrenen Haltern praktiziert werden. Meist stellt sich ein Weibchen als das dominante heraus und das andere Weibchen wird unterdrückt. Hier gilt es, das Verhalten der Tiere untereinander richtig einzuschätzen und ggf. wieder zu trennen. Vergesellschaftung von zwei Männchen klappt in den allermeisten Fällen nicht.
Bei der Vergesellschaftung eines Pärchens ist darauf zu achten, dass das Weibchen schon deutlich adult und robust ist, in der Regel ist das nach 12 bis 18 Monaten, je nach Art, der Fall. Männchen sind dagegen eher frühreif. Beim Zusammensetzen sollte man beide Tiere gleichzeitig in ein neues oder umgestaltetes Becken setzen, damit keiner der beiden bereits Reviere gebildet hat, die verteidigt werden. Auch bei 1,1 Haltung kann es zu Unverträglichkeit kommen, wobei dann meist das Weibchen unterdrückt wird und sich auffällig oft im unteren Teil des Terrariums aufhält und/oder versteckt und auch weniger frisst. Drohgebärden des Männchens sind seitliches Aufstellen, Rücken zeigen und breit machen. Kommt es zu solchen Unterdrückungen, gar zu ernsthaften Beißereien, sollten die Tiere schnellstmöglich getrennt werden. In solch einem Fall sollte bevorzugt das Männchen herausgenommen werden, damit das Weibchen das Terrarium als ihr Revier erkundet und erkennt. Man kann dann nach ein oder zwei Wochen erneut versuchen, das Männchen hinzuzusetzen. Sollte es dauerhaft nicht funktionieren, kommt man nicht umhin, sich von einem der beiden Streithähne zu trennen und das Tier ggf. zu tauschen.
Vergesellschaftung mit anderen Reptilien oder Amphibien ist prinzipiell machbar, aber auch dies sollte nur von erfahrenen Haltern ausprobiert werden. Wir haben bei anderen Haltern schon kleinere Phelsumenarten zusammen mit Dendrobaten im Becken gesehen. Möglich sind wohl auch Vergesellschaftungen von Phelsumen mit nachtaktiven Geckos. Wir können leider hier nicht mitreden, da bei uns jede Art für sich gehalten wird.
Phelsumen hält man in einem mäßig feuchtem Wald- oder Tropenterrarium mit vielen Klettermöglichkeiten in Form von Bambusröhren, glatten Ästen, Wurzeln und/oder begehbaren Pflanzen. Die Einrichtung sollte zu dem Sonnenplätze, Versteckmöglichkeiten und Eiablageplätze bieten. Sehr feuchte Tropenterrarien, so wie sie für Dendrobaten z.B. (Pfeilgiftfrösche) verwendet werden, sind nach unserer Meinung für Phelsumen nicht erforderlich. Ein dicht bepflanztes Becken mit Rindenmulch oder ähnlichem Bodensubstrat und tägliches, kräftiges Sprühen reichen zur Erhaltung der Luftfeuchtigkeit völlig aus. Wir sprühen immer abends, nachdem das Licht ausgegangen ist. So hält sich die Feuchtigkeit über Nacht länger und kann in die Pflanzen und den Bodengrund einziehen.
Das Terrarium sollte nach Möglichkeit eher hoch ausgerichtet sein, da Phelsumen Kletterer sind, die nur sehr selten den Boden aufsuchen, allerhöchstens mal, um Futterinsekten zu fangen. Daher sind auch Heizmatten für den Einsatz in Phelsumenterrarien absolut überflüssig und unsinnig. Wenn man durch den Einsatz von Heizmatten die allgemeine Temperatur im Terrarium zu erhöhen versucht, weil die eigentliche Beleuchtung zu schwach gewählt ist und / oder das Terrarium zu groß ist, so kommt es nicht selten vor, dass sich die Tiere plötzlich häufig in Bodennähe aufhalten, oder sogar auf dem Bodengrund sitzen, da hier Wärme ausstrahlt. In so einem Fall sollte der untere Bereich des Beckens besser kühl belassen werden.
Bambus wirkt im Terrarium sehr exotisch und ist wegen seiner glatten Oberfläche sehr gut geeignet für die Haftzeher. Zudem bietet der Innenraum der Bambusstäbe zusätzliche Versteckmöglichkeiten, die von den Geckos immer wieder gerne genutzt werden. Bambus bekommt man in allen Stärken und Längen bereits recht günstig in vielen Baumärkten. Man kann ihn nach Wunsch mit einer kleinen Holzsäge auf Länge zuschneiden und passend in das Terrarium einbringen. Wo der Bambus mit dem feuchten Bodengrund in Berührung kommt, bildet sich schnell etwas Schwarzschimmel. Um das zu verhindern, kann man ein Ende des Bambus z.B. mit einer dünnen Silikonschicht oder Kunstharz überziehen. Neben Bambus gibt es natürlich auch noch andere Klettermöglichkeiten. Glatte Äste, Wurzeln oder Weinreben eignen sich ebenfalls zum Klettern.
Prinzipiell sind Rückwände für die Phelsumen nicht erforderlich und es gibt auch einige Halter, die auf diese verzichten. Jedoch wirkt das Terrarium ohne Rückwand recht kahl und sie können zudem zusätzliche Klettermöglichkeiten bieten. Bei der Einbringung von Rückwänden, sollte man beachten, dass diese möglichst keine Spalten und Ritzen offenlassen, in denen sich entlaufende Futterinsekten verkriechen können. Rückwände möglichst kreuz und quer auf der Rückseite mit Silikon bestreichen und entweder passgenau einkleben, oder aber soviel Platz außenrum lassen, dass keine engen Spalten enstehen. Das ganze sollte dann möglichst ein bis zwei Tage gut auslüften, da das Lösungsmittel des Silikons einige Zeit braucht, um zu entweichen. Wenn man es genau nehmen möchte, kann man nach dem Einkleben auch noch die Ränder der Rückwand mit einer Silikonnaht versiegeln. So kommt bestimmt kein Heimchen oder keine Fliege mehr zwischen Rückwand und Glasscheibe. Möchte man noch Balkone oder kleine Töpfe für Rankpflanzen an die Rückwand anbringen, so ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür, da man das Becken noch flach auf den Rücken legen kann, um solche Accessoires einzukleben. Alles Silikon, mit dem die Geckos in Berührung kommen könnten, sollte Aquariensilikon sein. Sanitärsilikon hat giftige Fungizide, die lange aktiv bleiben.
Die Auswahl des Bodengrunds ist für die Phelsumen eher nebensächlich, da sie sehr selten den Boden betreten. Als geeignet hat sich bei uns herausgestellt eine Grundschicht aus Seramis, ca. 1 bis 2 cm dick und darüber Douglasienrinde oder sonstige Arten von Rindenmulsch. Die Rindenstücke nehmen viel Feuchtigkeit auf und geben diese tagsüber allmählich wieder an die Luft ab. So trägt der Bodengrund zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei.
Wer seine Pflanzen direkt in den Bodengrund einsetzen und auf die Töpfe verzichten möchte, sollte lokal an den Pflanzen, oder gänzlich ein Erde-Sand-Gemisch verwenden. Bei dem Einsatz von Blumenerde ist allerdings darauf zu achten, dass diese möglichst frei von Düngemitteln ist. Wobei die Gefahr, dass die Gekos das Wasser vom Boden trinken eher relativ gering ist. Dennoch sollte man unnötige Chemikalien im Terrarium vermeiden.
Vorab sei erwähnt, es gibt kaum ein Thema in der Terraristik, was so sehr umstritten ist, wie das Thema Beleuchtung. Wo sich selbst die Experten streiten und uneinig sind, ist es sicher schwer, dem Einsteiger zu erklären, was er zu beachten oder zu verwenden hat. Folgende Ausführungen sollen versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, ohne mehr als erforderlich physikalisch ins Detail zu gehen.
Die Anforderungen unserer Pfleglinge an die Beleuchtung lassen sich grob in drei Aspekte aufgliedern. Das ist zum einen Helligkeit. Phelsumen sind es als tagaktive Tiere gewohnt, in der Natur eine sehr helle Lichtquelle, nämlich die Sonne genießen zu können. Da die Sonne ebenfalls Wärme spendet, verbinden die Taggeckos das Licht auch immer direkt mit Wärme und werden versuchen, zum Aufwärmen die hellste Stelle im Terrarium aufzusuchen. Der dritte Aspekt ist die UV-Strahlung, welche in der Natur ebenfalls in den Sonnenstrahlen in ausreichender Form vorhanden ist. UV, genauer gesagt UVB ist deshalb für die Reptilien wichtig, da sie durch die UVB-Einstrahlung das lebenswichtige Vitamin D3 synthetisieren, das heißt eigenständig bilden. Dieses Vitamin ist erforderlich, um Kalzium in den Knochen zu verarbeiten. Ohne Kalzium werden die Knochen weich, verformen sich und es kommt zur gefürchteten Rachitis (Knochenerweichung in Folge von Vit.D3- und Kalzium-Mangel).
Nachfolgend werden diese drei Aspekte nochmal genauer betrachtet und einige gängige Leuchtmittel angeführt, die für den jeweiligen Aspekt sinnvoll sind. Leider gibt es kein Leuchtmittel, welches sonnenähnlich alle drei Aspekte in sich vereint. Daher ist man in der Terraristik meist gezwungen, mehrere Leuchtmittel sinnvoll miteinander zu kombinieren.
Licht
Die Sonne hat mittags bei unbewölktem Himmel etwa 5.000 bis 6.000 K (Kelvin) Lichttemperatur. Um dem Tageslicht hier möglichst nahe zu kommen, sollten wir also für unser Terrarium eine Grundbeleuchtung anstreben, welche im Bereich dieser Lichttemperatur liegt (+/- 1.000 K), also zwischen 4.000 K und 7.000 K. Hohe Lichttemperaturen erreicht man nicht mit herkömmlichen Glühlampen und auch nicht mit Halogenspots. Wohl aber mit Leuchtstoffröhren und Metallhalogendampfstrahlern (HQI/CDM). Die Metallhalogendampfstrahler haben bezogen auf den Einsatz im Terrarium gegenüber den Leuchtstoffröhren den Vorteil, dass sie deutlich mehr Wärme abgeben. Das bedeutet, dass man beim Einsatz von Leuchtstoffröhren noch zusätzliche Wärmestrahler einsetzen muss, um die notwendigen Temperaturen zu erreichen.
Wärme
Phelsumen sind kletternde Reptilien, die sich meist im oberen Bereich des Terrariums aufhalten. Um Wärmeplätze einzurichten eignen sich daher Spotstrahler. Die Geckos können sich unter den Spots auf ihre Vorzugstemperatur aufwärmen und bei Bedarf kühlere Regionen im unteren Bereich des Beckens aufsuchen. Das bedeutet, ein Temperaturgefälle von oben nach unten ist anzustreben. Geeignet für Sonnenplätze sind Halogenspots, sogenannte Baskingspots oder halt die bereits für den Aspekt Licht sehr gut geeigneten Metallhalogendampfstrahler. Beim Kauf von einfachen Spotstrahlern kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen, auch wenn die Angebotspalette hier sehr groß ist. Bei uns haben sich kleine Niedervolt-Halogenspots (12V/20W) bewährt. Sie sind kompakt, benötigen nur kleine Steckfassungen und können beliebig direkt auf der Deckelscheibe des Terrariums, bzw. auf dem Gazeeinsatz des Beckens verteilt werden. Niedervolt-Halogenspots benötigen einen Transformator.
UV-Strahlung
Die UV-Strahlung liegt im für das menschliche Auge nicht sichtbaren Spektrum des Sonnenlichts und teilt sich auf in UVA, UVB und UVC. Relevant für die D3-Synthese (siehe weiter oben) ist der UVB-Bereich. Bei der Auswahl einer UV-Quelle sollte man also auf die Herstellerangaben bezüglich des UVB-Anteils achten.
Handelsübliche UV-Röhren haben einen UVB-Anteil von 5% bis 8%. Kompakte UVB-Röhren, ähnlich einer Energiesparlampe vom Aussehen, haben sogar einen noch höheren Anteil. Allerdings ist hier ja auch die abstrahlende Fläche geringer. UV-Röhren strahlen in alle Richtungen und sollten daher zwingend mit einem Reflektor eingesetzt werden, ebenso wie normale Leuchtstoffröhren. UV-Leuchtstoffröhren haben einen relativ geringen Wirkberech. Bereits ab einem Abstand von 30cm von der Röhre lässt die für die Tiere relevante Wirkung der UVB-Strahlung nach. Daher sollte man darauf achten, dass unter der UV-Röhre, möglichst näher als 30cm ,Klettermöglichkeiten vorhanden sind. UVB-Röhren sollten alle 5 - 6 Monate ausgetauscht werden.
Eine etwas kräftigere UVB-Quelle bieten die sogenannten Mischlichtlampen. Dazu gehören z.B. die bekannte OSRAM Ultra Vitalux oder ZooMed's Power Sun UV. Diese UV-Strahler dürfen nur kurzzeitig in Betrieb genommen werden. Zudem muss ein Sicherheitsabstand eingehalten werden, da im Umfeld der Lampen auch schädliches UVC erzeugt wird. Die Lampen werden ohne Vorschaltgerät in normalen E27-Fassungen betrieben.
Auch Metallhalogendampflampen (HQI/CDM) erzeugen UV-Strahlung. Neue Brenner beinhalten jedoch zumeist schon einen UV-Stop bereits im Glaskolben. Man müsste also den HQI-/CDM-Strahler mit Brenner ohne UV-Stop verwenden und mit UV-durchlässigem Schutzglas am Strahlergehäuse. Empfehlen würde ich das aber nicht, da hier keine verlässlichen Herstellerangaben gegeben sind.
Achtung: UVB dringt nicht durch Glas ! Daher also innerhalb des Beckens oder über Drahtgaze anbringen.
Temperaturen
Die Temperaturen in unseren Terrarien liegen im oberen Bereich bei 28° bis 30°C und gehen nach unten hin auf ca 22°C bis Raumtemperatur runter. Direkt unter Sonnenplätzen können und müssen die Temperaturen natürlich auch höher als 30°C sein. Die Tiere werden diese Sonnenplätze aufsuchen, sich dort auf ihre Vorzugstemperatur aufwärmen und sie dann wieder verlassen. Nachts fallen die Werte im gesamten Becken auf Raumtemperatur ab.
Sommer-/Winter-Rhythmus
Phelsumen sind das ganze Jahr über aktiv und halten keine Winterruhe. Man sollte aber dennoch einen leichten Sommer-/Winter-Rhythmus im Terrarium simulieren. Wir realisieren das durch unterschiedliche Beleuchtungsdauer. In den Monaten März bis Oktober brennt die Beleuchtung 14 Std. täglich, wobei die HQI-Strahler gesondert geschaltet sind und nur 12 Std. in Betrieb sind. In den Wintermonaten wird die Beleuchtungsdauer allmählich auf 12 Std. reduziert, wobei auch die HQI-Strahler dann nur noch 10 Std. in Betrieb sind. Die Geckos stellen dann auch tatsächlich mit Rückgang der Beleuchtungsdauer ihre Paarungsaktivitäten ein. Die Paarungspause im Winter ist erforderlich, um den Weibchen eine Ruhephase zu gönnen, da sie in den Sommermonaten durchaus alle drei bis vier Wochen ein Doppelei ablegen können.
Das richtige Futter und die richtigen Vitaminpräparate sind sicher einer der wichtigsten Aspekte in der Phelsumenhaltung und in der Terraristik allgemein. Einseitiges Futter und fehlende Vitaminversorgung führen früher oder später zu Mangelerscheinungen und/oder lustlosem, trägem Verhalten der Tiere. Die gefährlichste, leider aber auch am weitesten verbreitete Mangelerscheinung diesbezüglich ist die sogenannte Rachitis, Knochenerweichung als Folge von Vitamin D3 Mangel.
Wir sind sicher keine Nährstoffexperten, haben uns aber im Verlaufe der Jahre schon etwas intensiver mit dem Thema Futter und Vitamine auseinandergesetzt. Und da es unseren Phelsumen sehr gut geht, sie aktiv, aufgeweckt und gut konditioniert sind, scheint unsere Wahl sowohl der Futterinsekten, als auch der Vitaminversorgung zu stimmen.
Das Hauptfutter schlechthin sind bei uns Heimchen. Heimchen sind sehr fleischig und haben einen nicht so harten Chitinpanzer wie beispielsweise Grillen oder Heuschrecken. Wobei letztere auch schonmal als alternative Abwechslung gegeben werden. Sowohl Heimchen, als auch Grillen oder Heuschrecken gibt es in allen Größen in kleinen, durchsichtigen Boxen mittlerweile schon fast in jeder Zoohandlung. Da das Hobby Terraristik mehr und mehr an Beliebtheit gewinnt, erweitern viele Zooläden ihr Angebot, welches dann auch vermehrt Futterinsekten beinhaltet.
Alternativen zu Heimchen und Co. gibt es eigentlich vom Nährstoffgehalt kaum. Nur der Abwechslung halber verfüttert man auch gerne öfter Fliegen in allen möglichen Größen, aber auch Wachsmotten oder sonstige Fluginsekten. Nur sehr selten, vieleicht alle paar Wochen sollten sehr fetthaltige Raupen, Maden oder Würmer verfüttert werden.
Im Sommer kann man wunderbar auch auf heimische Insekten zurückgreifen. Viele Phelsumenhalter schwören auf das sogenannte Wiesenplankton. Das sind alle Arten von Kleininsekten, die man auf der Wiese findet. Fangen kann man die z.B. mit einem Kecher und einer hintenan befestigten Kunststoffflasche. Wir geben auch gerne Langbeine oder Schnaken in das Terrarium, halt alles, was sich so in der Wohnung oder auf dem Balkon verirrt.
Das Hauptfutter, die Heimchen, wird von uns ebenfalls ausgiebig gepflegt. Beim Kauf einer befüllten Heimchenbox, wird diese alsgleich auf mehrere Boxen verteilt oder größere Heimchen in Faunaboxen umgesetzt. Gefüttert werden die Insekten dann mit Vitakraft Trockenfutter, z.B. für Nager oder mit Haferflocken und frischen Möhrenscheiben. Die frischen Möhren decken den Flüssigkeitsbedarf der Heimchen und versorgen sie mit Beta Karotin. Das Beta Karotin hat Pro Vitamin A Charakter, was für die Häutung der Phelsumen sehr förderlich ist. Und da die ja die Heimchen bekommen, zehren auch die Geckos von diesen Vitaminen. Weiterer positiver Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist, dass sich die Insekten so deutlich länger halten. Eine unbehandelte Heimchenbox beinhaltet nach einer Woche kaum noch lebende Insekten. Nach der beschriebenen Vorgehensweise hält sich so eine Box allerdings bis zu 6 Wochen. Man muss natürlich alle paar Tage die Möhrenscheiben gegen frische austauschen. Außer dem Hauptfutter Heimchen, werden bei uns aber keine weiteren Insekten derart gepflegt.
Bekannt sind die Phelsumen auch für ihre Vorliebe für süße Leckereien. Honig, Fruchtbrei, Bananenmatsch kann kein Taggecko widerstehen. Beim Genuss dieser Süßigkeiten blähen die Geckos regelrecht auf und wirken anschließend fast, als würden sie platzen. Das ist aber völlig normal und legt sich nach einigen Stunden wieder. Aber auch diese Leckereien sollte man allerhöchstens einmal pro Woche, besser alle zwei Wochen mal anbieten. Absolut wild sind alle unsere Phelsumen auf ZooMed's "Day Gecko Food". Das ist ein Pulver auf Blütenpollenbasis, was ansonsten mit keinem wirklichem Vitaminpräparat mithalten kann. Aber irgendwas ist darin, was die Taggeckos magisch anzieht. Unsere Pfleglinge scheinen es schon aus weiter Entfernung zu riechen. Selbst wenn sie sich im hinteren Bereich des Terrariums befinden, muss man nur die Scheibe öffnen, etwas von dem Präparat auf den Finger tun und vorne an einen Bambus oder an die Beckenöffnung halten. Es dauert keine Minute, dann scheint jegliche Scheu wie weggeblasen und die Tiere kommen zum Schlecken nach vorne.
Vitamine und Mineralstoffe sind in der Phelsumenhaltung unentbehrlich. Wir verwenden seit zwei Jahren als alleiniges Präparat "Calcicare 40+" der Firma Witte Molen. Weiterhin bewährt hat sich bei uns Nekton Rep oder Nekton Rep Color in Verbindung mit Korvimin ZVT oder Korvimin+Reptil, welche abwechselnd verabreicht wurden.
Mit den benannten Vitaminpräparaten werden die Insekten vor der Fütterung bestäubt. Dazu nutzt man am besten eine leere Heimchenbox, schüttet etwas von dem Präparat hinein und einige Insekten, z.B. Heimchen. Das ganze schüttelt man etwas durch, so dass das Pulver an den Heimchen haftet. Anschließend verfüttert man die Heimchen direkt per Pinzette oder aus der Hand an die Phelsumen. Wenn die Tiere so gar nicht von der Pinzette fressen wollen, kann man die bestäubten Insekten auch in ein höheres Töpfchen schütten und das Töpfchen in das Terrarium stellen. Das sollte aber möglichst an einer Stelle platziert werden, die für die Geckos gut einsichtig ist. Zusätzlich kann man noch etwas mehr Pulver in das Töpfchen schütten, damit sich die Heimchen beim Durchlaufen quasi immer wieder erneut selbst bestäuben.
Wenn man Männchen und Weibchen im deutlich adulten Alter in einem Becken verpaart, kommt es meist bereits nach kurzer Zeit zu ersten Balzritualen des Männchens. Diesen Balzritualen geht aber häufig ein anfängliches Imponiergehabe voraus. Hierbei stellt sich das Männchen seitwärts auf, macht sich breit und zeigt seinen Rücken. Wenn das Weibchen dabei deutlich devot bleibt, geht dieses Imponiergehabe aber rasch in das Balzverhalten über. Dabei nähert sich das Männchen mit zuckenden Bewegungen dem Weibchen, welches bei Paarungsbereitschaft ihre Schwanzseite zeigt, mit dem Schwanz schlängelt und hin und wieder ihr Hinterbein anhebt. Beim eigentlichen Paarungsakt kommt das Männchen von hinten rechts oder links über das Weibchen, wobei es oft zum paarungsbedingten Nackenbiss kommt, durch den das Männchen das Weibchen festhält, bis der Akt beendet ist, was meist nach wenigen Minuten der Fall ist. Durch den Nackenbiss können auch leichte Verletzungen entstehen, die aber nach der nächsten Häutung in der Regel verschwunden sind.
Der Paarungsakt kann in den nachfolgenden Tagen öfter wiederholt werden. Auch sind die Weibchen in der Lage, Spermien zu bevorraten, so dass sie auch nach Trennung vom Männchen noch befruchtete Eier ablegen können.
Die Trächtigkeit des Weibchens dauert je nach Art etwa drei bis vier Wochen. In dieser Zeit sollte das Weibchen verstärkt Calcium zur Eiproduktion bekommen. Hierzu genügt es, ein kleines Schälchen mit z.B. zerriebener Sepiaschale in das Becken zu stellen. Sepiaschale gibt es in jedem Zoogeschäft. Es wird für Vögel verwendet zum Wetzen der Schnäbel. Bereits ein oder mehrere Tage vor der eigentlichen Eiablage läuft das Weibchen deutlich unruhig im Terrarium umher auf der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen. Häufig kommt es sogar zum Probelegen, wobei das Weibchen an einem potenziellen Eiablageplatz eine Position wie zum Ablegen einnimmt, dort aber nach einiger Zeit wieder unverrichteter Dinge verschwindet. Während der Trächtigkeit sollte man das Weibchen keinesfalls umsetzen, die Temperaturen absenken oder dem Tier sonstwie irgenwelchem Stress aussetzen, da die Weibchen über die Trächtigkeit in Verbindung mit Problemen, Stress, etc. sehr schnell hinfällig werden können.
Phelsuma cepediana sind Eikleber. Das heißt, sie kleben die Eier an einen geeigneten Untergrund. Das kann ein Blatt sein oder das Innere einer Bambusröhre, aber auch schonmal die Terrarienscheibe. Da auch bei Phelsuma cepediana die adulten Tiere den Schlüpflingen nachstellen und diese als Nahrungsergänzung ansehen, sollte man versuchen, die Eier mitsamt Untergrund zu entfernen oder die Eier mit Gaze oder kleinen Boxen im Becken so absichern, dass die Kleinen noch schlüpfen können, aber die Elterntiere nicht herankommen.
Bei 28° bis 30°C mit Nachtabsenkung schlüpfen die Jungtiere nach 50 bis 90 Tagen, je nach Art und Inkubationswärme. Wir überführen die Eier nach der Ablage in eine Heimchenbox mit Brutsubstrat und stellen sie an eine warme Stelle auf einem unserer Beleuchtungskästen. Wer es ganz professionell machen will, der hat verschiedene Inkubatoren, sogenannte Kunstglucken im Zubehör zur Verfügung. Phelsumeneier sind hartschalig und relativ robust. So ist es z.B. kein Problem, ein wie oben gezeigtes Gelege aus dem Bambus auf ein weiches Tuch zu schütten. Nur heftige Stöße und übermäßige Temperaturschwankungen sollte man vermeiden, ebenso wie ein Drehen der Eier wenige Wochen vor dem erwarteten Schlupf. Ein Einfeuchten des Brutsubstrats ist nach unseren Beobachtungen ebenfalls nicht unbedingt erforderlich.
Die Jungtiere werden, nachdem sie sich direkt nach dem Schlupf das erstemal gehäutet haben, einzeln in Aufzuchtsboxen überführt. Das sind halbdurchsichtige Kunststoffbehälter in der Größe 20x20x25 (BxTxH). Der Deckel besteht aus Kunststoffgaze (Fliegengitter). Beleuchtet wird die einzelne Aufzuchtsbox mit einem 20W-Halogenspot und einer UV-Röhre, die man über mehrere der kleinen Boxen legen kann. Futter brauchen die Schlüpflinge erst nach drei bis vier Tagen, da sie zuerst von dem direkt nach dem Schlupf eingezogenen Eidotter zehren. Sollte mal ein Schlüpfling beim Schlupf zu früh gestört worden sein, so kann es vorkommen, dass der Eidotter nicht eingezogen wird, sondern im Ei verbleibt. In diesem Fall muss der kleine Gecko bereits früher gefüttert werden. Futter für die Jungtiere sind bei uns Drosophila und Mikroheimchen, stets gut eingestäubt mit Vitaminpräparaten. In den ersten Wochen sollten die Jungtiere täglich Futter zur Verfügung gestellt bekommen. Man kann die Insekten lose in die Aufzuchtsbox werfen, oder sie in ein kleines Töpfchen schütten und dies in die Box stellen. Letzteres hat den Vorteil, dass auch etwas Vitaminpulver mit in den Topf geschüttet werden kann, so dass die Insekten stets wieder durch das Pulver laufen und sich so quasi selbst bestäuben.
Solange die Jungtiere noch in diesen Aufzuchtsboxen sitzen, bietet es sich an, so oft wie möglich bei schönem Wetter die Boxen auf den Balkon oder die Terasse in die Sonne zu stellen. Das natürliche Sonnenlicht und die UV-Strahlung ist für die jungen Pfleglinge wie eine Kur. Leider ist das bei unseren starken Klimaschwankungen nicht immer möglich. Nach spätestens vier Wochen werden die Jungtiere in etwas größere Terrarien überführt, in denen sie auch UV-Bestrahlung bekommen. Zu diesem Zweck haben wir uns spezielle Aufzuchts-Blockterrarien anfertigen lassen.
Bei der Überführung in größere Terrarien sollte man tunlichst darauf achten, dass sich die kleinen Phelsumen durch die kleinsten Ritzen, bevorzugt den Schlitz zwischen den Schiebescheiben des Terrariums zwängen können. Die Becken sollten also vorher auf Ausbruchsmöglichkeiten geprüft werden. Tägliches Futter bekommen die Jungtiere bis zu einem Alter von etwa drei Monaten. Danach kann man die Futterhäufigkeit je nach Kondition des jeweiligen Tieres allmählich runterfahren auf das Niveau der adulten. Auf eine ausreichende Vitaminversorgung ist während der gesamten Wachstumsphase zu achten. Besonders die Maskarenen-Phelsumen, wie Phelsuma ornata oder Phelsuma cepediana reagieren sehr empfindlich auf Vitaminmangel während der Aufzucht.
Die Aufzucht der jungen Phelsumen ist mit Abstand das schönste an der Phelsumenhaltung und sollte von jedem Halter angestrebt werden, auch um die Population dieser wunderschönen Reptilien in den deutschen Terrarien zu erhalten und zu vergrößern. Wenn man bedenkt, dass ein gut funktionierendes Phelsumen Pärchen pro Jahr bis zu 12 oder sogar 14 Nachzuchten produzieren kann, kommt leider früher oder später stets der Zeitpunkt, wo man sich von den Nachzuchten trennen muss. Die Maskarenen-Phelsumen sollte man möglichst länger als andere Phelsumen behalten und nicht vor einem Alter von sechs Monaten abgeben, da diese besonders empfindlich auf jede Art von Stress während der Wachstumsphase reagieren.
Aufgrund der geringeren Terrarienpopulation von Phelsuma cepediana wäre es sehr wünschenswert, wenn sich mehr Phelsumenhalter der Zucht dieser wunderschönen Art widmen würden. Vieleicht bekommt ja auch nochmal jemand heraus, woran es liegt, dass der Rotanteil der Nachzuchten so stark beeinträchtigt ist.
Schutzstatus: |
WA II, Meldepflicht durch Herkunftsnachweis |
Verbreitungsgebiet: |
Mauritius |
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Temperatur: |
Tagsüber: 22-30°C, Lokal: bis 35°C, Nachts: Zimmertemperatur |
Beleuchtung: |
12 Stunden täglich, UVA / UVB-Strahlung, HQI, ggf. Wärmespot |
Luftfeuchtigkeit: |
60-70%, täglich ausgiebig sprühen |
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Terrarium: |
für adultes Pärchen: 50 x 50 x 80 cm |
Maximale Größe: |
bis 13 cm |
Aktivität: |
Tagaktiv |
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Vergesellschaftung: |
1,1 oder 1,2 |
Aufzucht: |
Einzelhaltung |
Futter: |
Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Fliegen, Würmer, Wachsmaden, Nektar oder Fruchtbrei |
TORSTEN FELDHAUS
Rudolf-Virchow-Str.18
58300 Wetter
admin@phelsuma-world.de
Auf der Website www.phelsuma-world.de findet Ihr neben Haltungsinfos und interessanten Reiseberichten auch detaillierte Informationen zu den Nachzuchten von Torsten Feldhaus.
Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!
An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...
Berichte in Zeitschriften
NTV (Hrsg.): Taggeckos
Draco 11 (2002)
Budzinski, R.-M: Homosexuelles Verhalten bei Geckos der Gattung Phelsuma
Sauria 19 (3) (1997): S. 33-34
Krüger, J: Haltung und Zucht: Hinweise zur Eizeitigung bei den Taggeckos der Gattung Phelsuma
Reptilia 22 (2000): S. 57-63
Hoesch, U: Die Phelsumen auf Mauritius
Sauria 3 (4) (1981): S. 25-27
Schneider, H: Allgemeines zur Haltung von Taggeckos der Gattung Phelsuma
Reptilia 35 (2002): S. 64-68
Wiemer, R: Phelsuma cepediana (MERREM)
Sauria Supplement 16 (3) (1994): S. 315-318
Trautmann, G. & Rösler, H.: Zur Widerstandsfähigkeit von Geckoeiern gegenüber relativ hohen Temperaturen. Sauria 29 (4) (2007): S. 53-54
Weitere Literaturempfehlungen (z. B. zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht) findest Du in unserem Literaturverzeichnis
(c) 2009, www.reptilienland.com
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