
Epicrates cenchria cenchria (LINNAEUS, 1758) Rote Regenbogenboa
(engl. Rainbow boa)
• Erfahrene Halter
An diesen wunderschönen und wirklich prächtig gefärbten Tieren haben viele Schlangenhalter ihre Freude. Epicrates cenchria cenchria ist aber vor allem in jungen Jahren relativ "nervös", kann schnell auch mal zubeißen und hat zudem spezielle Haltungsansprüche. Insbesondere eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit spielt für das Wohlergehen dieser Schlangen eine große Rolle. Viele juvenile Exemplare neigen bei zu trockener Haltung zu Hautkrankheiten, die schnell den Tot zur Folge haben können. Wichtig ist daher, dass diese Tiere erfahrene, sachkundige Pfleger haben und von Anfang an die richtigen Haltungsbedingungen herrschen.
Die Epicrates-Gruppe gehört innerhalb der Familie der Riesenschlangen zur Unterfamilie der Boaschlangen (Boinae), ebenso wie die Gattungen Acrantophis, Boa, Candoia, Corallus, Eunectes und Sanzinia.
Zu den Regenbogenboas zählen derzeit 9 verschiedene Unterarten, wobei die brasilianische rote Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria) und die kolumbianische braune Regenbogenboa (Epicrates cenchria maurus) am häufigsten in Terrarien gehalten werden:
• Epicrates cenchria cenchria
• Epicrates cenchria alvarezi
• Epicrates cenchria assisi
• Epicrates cenchria barbouri
• Epicrates cenchria crassus
• Epicrates cenchria gaigei
• Epicrates cenchria hygrophilus
• Epicrates cenchria maurus
• Epicrates cenchria polylepis
Die rote Regebogenboa kommt in Venezuela, Guyana und Brasilien vor. Ihre Lebensweise ist semi-arboreal (halb baum-, halb bodenbewohnend). Epicrates cenchria cenchria lebt vorwiegend in den tropischen Regenwäldern, ist aber aufgrund der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes auch in felsigen, baumkargen Gebieten und im Kulturland anzutreffen.

In den Regenwäldern herrschen durchschnittlich Temperaturen von 25 bis 27°C und es fällt einiges an Regen pro Jahr. Das Klima in tropischen Regenwäldern lässt sich somit als feucht und warm beschreiben. In den Tropen fällt die Durchschnittstemperatur selbst im kältesten Monat selten unter 18°C. Die Sonneneinstrahlung ist weitestgehend konstant hoch und hat eine enorme Verdunstungskraft. Da die Sonne fast senkrecht am Himmel auf bzw. untergeht, sind zudem die Dämmerungsphasen im Regenwald nur sehr kurz.
Epicrates cenchria cenchria ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA II) und Anhang B der Europäischen Artenschutzverordnung geschützt. Als Halter benötigt man einen Herkunftsnachweis und muss die Haltung der Tiere außerdem der Behörde melden. (Bei uns: Untere Landschaftsbehörde Kreis Mettmann, Goethestr. 23, 40822 Mettmann, Tel.: 02104-0, Frau Peschkes) Andere Meldebehörden und Ansprechpartner findet ihr in unserem Bereich Artenschutz
Außerdem ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfügen.
Epicrates cenchria cenchria gehört zu den Schlankboas. Sie ist meist rot gefärbt und gehört zweifellos zu den schönsten Epicrates-Arten. Durch ihre besonders glatten Schuppen schillert diese Boa bei Lichteinfall in allen Regenbogenfarben – daher auch die deutsche Bezeichnung Regenbogenboa.
Epicrates cenchria cenchria ist zwar sehr schlank, gehört aber mit einer maximalen Größe von 2 m dennoch zu den Riesenschlangen. Durchschnittlich erreichen die Tiere jedoch nur eine Länge von 1,20 (Männchen) bis 1,50 m (Weibchen).
Wer sich eine Regenbogenboa anschafft, der muss sich darüber im Klaren sein, dass die Tiere bei artgerechter Haltung und guter Ernährung ein Alter von 20 bis 30 Jahren erreichen können! Beim Kauf von Jungtieren muss in jedem Fall die voraussichtliche Endgröße der Schlange berücksichtigt werden und auch über eine eventuelle Urlaubsbetreuung sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken machen.
In einigen Bundesländern zählen Riesenschlangen zu den "potentiell gefährlichen Tieren". Es kann somit sein, dass eine private Haltung komplett verboten oder nur mit einer Sondergenehmigung möglich ist. Vor dem Kauf müssen also auch regionale Gesetze und Verordnungen berücksichtigt werden. Details dazu findet ihr hier
Alle Epicrates-Arten benötigen ein geräumiges Terrarium, das Temperaturen von 25-32° und eine Luftfeuchtigkeit von 70-90 % bieten sollte. Da die Boas empfindlich auf Stickluft reagieren, sollte das Terrarium ausreichend belüftet sein, Zugluft muss allerdings unbedingt vermieden werden. Epicrates cenchria cenchria ist zwar überwiegend bodenbewohnend, der künstliche Lebensraum sollte aber dennoch einige Klettermöglichkeiten in Form von gut befestigten Ästen bieten.
Für die Verkleidung von Rück- und Seitenwänden des Terrariums eignet sich z. B. Xaxim. Dieses natürliche Material hat außerdem den Vorteil, dass es bepflanzt werden kann, die Luftfeuchtigkeit lange hält und so für ein sehr natürliches Klima sorgt.
Echte Pflanzen gedeihen in einem solchen Tropenterrarium prima und tragen viel zum natürlichen Klima bei. Allerdings haben Riesenschlangen in der Regel keinen Sinn für Inneneinrichtung und nehmen auf Pflanzen bei der Wahl Ihre Liegeorte keine Rücksicht. Am besten eignen sich daher besonders robuste Bromelien, Farne oder Rankgewächse, die epiphytisch an Ästen und Rückwand oder am Boden kultiviert werden können. Die Dekoration ist eine rein optische Geschichte und hat keinerlei Einfluss auf das Wohlbefinden der Schlangen. Wem es zu müßig ist, ständig plattgedrückte Pflanzen auszutauschen, der kann natürlich auch auf künstliches Grün zurückgreifen...
Zur artgerechten Haltung aller Riesenschlangen gehört auch immer pro Tier mindestens ein Rückzugsort wie z. B. Korkröhren, Tongefäße oder Höhlen. Mehrere Verstecke in unterschiedlichen Temperaturzonen geben den Boas die Möglichkeit, je nach Befindlichkeit ihren Aufenthaltsort frei zu wählen. Eine ausreichend große Wasserschale darf ebenfalls nicht fehlen. Die Tiere sollten die Möglichkeit haben, diese auch als Badeschale zu nutzen. Das Trink- und Badewasser der Tiere täglich wechseln, da sich sonst sehr schnell Bakterien bilden, die zu Infektionen führen können.
Beim Substrat gibt es verschiedene Alternativen. Je nach Anspruch hat man die Wahl zwischen einem möglichst natürlichen Bodengrund wie z. B. Waldrindeneinstreu bzw. ungedüngtem Torf oder der hygienischen Haltung auf Zeitungspapier bzw. Handtüchern. Diese Variante wird von vielen Züchtern praktiziert, ist sehr hygienisch, lässt aber optisch stark zu wünschen übrig. Wer hat in seinem Wohnzimmer schon gerne ein tolles Regenwaldterrarium das mit Zeitungspapier ausgelegt ist? Zudem speichert Papier kaum Feuchtigkeit so dass man häufiger sprühen muss um die richtigen Luftfeuchtigkeitswerte zu erreichen. Verwendet man Waldrindeneinstreu als Bodengrund, muss bei einer Fütterung im Terrarium stets darauf geachtet werden, dass die Boa mit dem Futtertier kein Substrat aufnimmt Also: außerhalb des Beckens füttern!. Außerdem ist auf diesem Substrat aufgrund der groben Körnung und der dunklen Farbe der Kot der Tiere nur schwer zu entdecken, was Reinigungsarbeiten verlängert. Aus diesem Grund verwenden manche Halter helles Kleintiereinstreu. Da dieses Streu jedoch meistens stark staubt und so zu Atemwegserkrankungen führen kann, raten wir von dieser Möglichkeit ab. Besser ist da die Verwendung von hellem Einstreu, dass speziell für Schlangen entwickelt wurde wie z. B. ZooMed’s Aspen Snake Bedding.
Messgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit runden die Einrichtung des Terrariums ab.
Grundbeleuchtung
Die Regenbogenboa ist in Punkto Beleuchtung wenig anspruchsvoll, das Terrarium sollte tagsüber lediglich mehrere Temperaturzonen von 25 bis 33°C bieten. Die Beleuchtungsdauer liegt bei 12 bis 14 Stunden. Nachts wird die Beleuchtung ausgeschaltet und die Temperaturen können auf 22 bis 24°C abfallen. Epicrates cenchria cenchria benötigt eigentlich kein künstliches UV-Licht. Allerdings lohnt gerade bei dieser wunderschönen Art eine Investition in eine gute Ausleuchtung des Terrariums (HQI). Die Farben der Tiere kommen dann sehr viel besser zur Geltung.
Wärme
Bei allen Schlangen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen, raten wir vom Einsatz einer Bodenheizung wie z. B. Heizkabel oder einer Heizmatte unbedingt ab. Die Schlangen legen sich gerne direkt darauf und trocknen dann aus. Die Folge sind meist akute Häutungsschwierigkeiten, selbst wenn die Luftfeuchtigkeit in den übrigen Bereichen des Terrariums optimal ist. Besser ist der Einsatz eines Heizstrahlers, welcher von einem Schutzgitter umgeben sein sollte, damit die Tiere nicht zu nah an die Heizquelle herankommen. Andernfalls könnte sich das Tier schwerwiegende Verbrennungen zuziehen. Außerdem ist die Verwendung eines Temperaturreglers mit Fühler (z. B. Biotherm) zu empfehlen. Dieser misst permanent die Temperatur im Terrarium und schaltet die Heizquelle je nach Bedarf ein bzw. aus.
Luftfeuchtigkeit
Hier gilt: je natürlicher desto besser. Epicrates cenchria cenchria benötigt eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit von 70 bis 90%. Sie lebt in den tropischen Regenwäldern und gerade Jungtiere reagieren besonders empfindlich auf eine zu trockene Haltung. Die permanent hohen Werte erreicht man am besten durch den gesteuerten Einsatz einer Beregnungsanlage. Das Terrarium sollte immer eine gewisse Grundfeuchte haben, darf aber nicht zu nass sein (Also Staunässe vermeiden!) Im natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Art gibt es im Sommer eine Regenzeit, die auch im Terrarium simuliert werden sollte.
Zur Kontrolle der Luftfeuchtigkeit sind außerdem 1 oder mehrere Hygrometer unabdingbar.
Epicrates cenchria cenchria kann mit den verschiedensten Nagern in der entsprechenden Größe ernährt werden (Mäuse, Ratten etc.) Wenn man die Futtertiere nicht selber aufgezogen und vitaminreich ernährt hat, bietet es sich an, etwa bei jeder 5. Fütterung die Futtertiere mit Vitaminpräparaten aufzuwerten. Dazu kann man entweder dem toten Nager Flüssigvitamine injizieren oder man beträufelt dem lebenden Futtertier das Fell mit diesen Vitaminen. Dies führt dann dazu, dass sich die Maus / Ratte ihr Fell säubert und somit die Vitamine der Schlange zu Gute kommen. Die Vitamine dürfen aber keinesfalls überdosiert werden, das kann schädlich für die Boa sein! Die genaue Dosierung daher stets mit dem Tierarzt absprechen!
Jungtiere der Regenbogenboa füttert man 1 x in der Woche, bei adulten Tieren reicht eine Fütterung alle 2 bis 3 Wochen vollkommen aus. Die Ausnahme bilden natürlich kranke und geschwächte Tiere, die öfter fressen sollten um wieder zu Kräften zu kommen. Eine übermäßige Fütterung kann eine Verfettung der Tiere und die damit verbundene geringere Lebenserwartung zur Folge haben. Auch pflanzen sich verfettete Tiere schlecht oder gar nicht fort.
Wir empfehlen alle Schlangen zur Fütterung aus dem Terrarium zu nehmen und separat in einer Plastikbox zu füttern. Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile. Zum einen können lebende Futtertiere sich nicht im Terrarium verstecken und haben nicht viele Möglichkeiten zu fliehen. Zum anderen verhindert man, dass die Schlange mit dem Futtertier auch Substrat aufnimmt. Außerdem gibt es bei Riesenschlangen oft großen Futterneid, weshalb eine Fütterung mehrere Tiere stets einzeln erfolgen muss. Andernfalls können sich die Tiere ineinander verbeißen, was teilweise schwerwiegende Verletzungen zur Folge hat.
Wenn man ausschließlich tote Nager verfüttert kann es passieren, dass die Boa auf Dauer ihren natürlichen Jagdtrieb verliert. Um das zu Verhindern simuliert man durch wackeln (z. B. mittels Futterzange) das zappeln einer lebenden Maus – und zwar solange, bis sich die Schlange um ihre Beute gewickelt und diese somit „getötet“ hat.
Wie alle Boa-Arten ist auch die rote Regenbogenboa lebendgebärend. Epicrates cenchria cenchria lässt sich im Terrarium gut nachzüchten. Ihre Geschlechtsreife erreichen die Tiere mit 3 bis 4 Jahren. Die Paarungszeit beginnt im November und geht meist bis Anfang Februar. Eine Absenkung der Temperaturen in dieser Zeit um 2°C wirkt in der Regel stimulierend auf die Tiere. Nach ca. 4-5 Monaten Tragezeit werfen die Weibchen bis zu 20 Jungtiere. Sowohl unbefruchtete Eier als auch totgeborene Tiere werden von den Weibchen oft unmittelbar nach der Geburt gefressen.
Schutzstatus: | WA II Meldepflicht (Sie erhalten einen Herkunftsnachweis)
| Verbreitungsgebiet: | Guayana, Venezuela, Brasilien | | | Temperatur: | Tagsüber: ca. 25- 30°C, Nachts: 22 - 24°C, Lokal: 30 - 33°C | Beleuchtungsdauer: | ca. 12 Stunden täglich, Tageslichtröhre, 1 Wärmespot | Luftfeuchtigkeit: | 70 - 90% | | | Terrarium lt. Gutachten: | (Faktor x Gesamtlänge des Tieres) 1 x 0,5 x 0,75 | Maximale Größe: | 200 cm / durchschnittlich 120 bis 150 cm | Maximales Alter: | bis 27 Jahre | | | Aktivität: | Dämmerungs- und Nachtaktiv | Futter: | Nagetiere (Ratten, Mäuse) | | | |
Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!
An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...
Berichte in Zeitschriften
Geißler, L. Exkursionen im Westen Kubas
Reptilia 56 (2005): S. 42-49
Bellosa, H. Haltung und Nachzucht der roten Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria). Reptilia 54 (2005): S. 56-61
Weitere Literaturempfehlungen (z. B. allgemeine Echsenbücher, Literatur für Anfänger, Bücher zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht einzelner Arten) findest Du in unserem Literaturverzeichnis
(c) 2008, www.reptilienland.com
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