
Boa constrictor longicauda (PRICE & RUSSO, 1991) Langschwanz Boa, Tumbes Boa
(engl.: Peruvian red tail boa)
• Erfahrene Schlangenhalter
Zwar gehört die Boa constrictor longicauda zu den robusteren Arten und ist sehr umgänglich, aufgrund der Endgröße und natürlich des stattlichen Preises der Tiere würden wir die Haltung dennoch nur erfahrenen Schlangenhaltern empfehlen.
Boa constrictor gehört innerhalb der Familie der Riesenschlangen zur Unterfamilie der Boaschlangen (Boinae), ebenso wie die Gattungen Acrantophis, Candoia, Corallus, Epicrates, Eunectes und Sanzinia.
Die Langschwanzboa ist eine Unterart der Boa constrictor (Abgottschlange)
Die Systematik der Art Boa constrictor wird seit Jahren heiß diskutiert. Je nach Autor werden ihr sieben bis elf Unterarten zugeschrieben. Als umstritten gelten vor allem die Unterarten Boa constrictor melanogaster und Boa constrictor sigma, die in Europa nie wirklich anerkannt wurden. Gleiches gilt für Tiere aus Mexiko, die im Handel oft unter der Bezeichnung Boa constrictor mexicana angeboten werden.
- Boa constrictor amarali (Amarals Boa, STULL, 1932)
- Boa constrictor constrictor (Königsboa, LINNAEUS, 1758)
- Boa constrictor imperator (Kaiserboa, DAUDIN, 1803)
- Boa constrictor longicauda (Langschwanzboa, Tumbes Boa, PRICE & RUSSO, 1991)
- Boa constrictor melanogaster (Schwarzbauchboa, LANGHAMMER, 1983)
- Boa constrictor nebulosa (Dominicaboa, LAZELL, 1964)
- Boa constrictor occidentalis (Südboa, PHILIPPI, 1873)
- Boa constrictor orophias (St.-Lucia-Boa, LINNAEUS, 1758)
- Boa constrictor ortonii (Ortons Boa, COPE, 1878)
- Boa constrictor sabogae (Pearl-land-Boa, BARBOUR, 1906)
- Boa constrictor sigma (Sigmaboa, SMITH, 1943)
Diese Unterart der Boa constrictor ist erst seit 1991 bekannt. Sie kommt ausschließlich in Nord-Peru, in der Region um Tumbes vor. Dabei handelt es sich um ein kleines Küstenregenwaldgebiet, dass nach Norden, Osten und Süden durch die Anden von anderen Gebieten mit Boa-Vorkommen abgetrennt ist. Die Langschwanzboa lebt bevorzugt im Regenwald sowie in Mangrovensümpfen mit feucht-warmem Klima.

Boas werden häufig als „lebende Fossilien“ bezeichnet. Und in der Tat haben Tiere der Gattung Boa noch Reste ihrer ursprünglichen Hinterbeine. Im Beckenbereich finden sich die so genannten Aftersporne, die besonders bei männlichen Exemplaren stark ausgeprägt sind. Heute werden diese „Reste der Evolution“ jedoch nicht mehr zur Fortbewegung sondern vielmehr zur Stimulierung der Weibchen kurz vor der Paarung eingesetzt.
Die Langschwanz Boa ist immernoch recht selten und wird nur wenig im Terrarium gehalten - und das obwohl sie wohl das Schönste ist, was Boa constrictor zu bieten hat. In Ihrem Verbreitungsgebiet war noch bis Ende der 90er die Terrororganisation “leuchtender Pfad”, eine maoistische Gruppierung aktiv. Der Fang von Wildtieren konnte somit durchaus lebensgefährlich werden. Von der Boa constrictor longicauda gibt es daher auch nur ca. 20 Wildfänge (vor Jahren vom amerikanischen Zoll beschlagnahmte Tiere) und deren Nachkommen.
Es gibt keine andere Unterart mit einer solch markanten, kontrastreichen und hervorstechenden Kopfzeichnung. Mittig der Oberseite verläuft eine speerspitzenförmige schwarze Linie, teilweise mit seitlichen Ausläufern bis zu den Augen.
Ihre deutsche Bezeichnung Langschwanz Boa bekam diese Schlange da man davon ausging, sie hätte im Vergleich zur Körpergröße den längsten Schwanz aller Boa-Unterarten. Dies wurde zwischenzeitlich jedoch widerlegt.
Wer sich eine Boa constrictor anschafft, der muss sich darüber im Klaren sein, dass die Tiere bei artgerechter Haltung und guter Ernährung ein Alter von weit mehr als 20 Jahren erreichen können! Beim Kauf von Jungtieren muss in jedem Fall die voraussichtliche Endgröße der Schlange berücksichtigt werden und auch über eine eventuelle Urlaubsbetreuung sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken machen.
In einigen Bundesländern zählen Riesenschlangen zu den "potentiell gefährlichen Tieren". Es kann somit sein, dass eine private Haltung komplett verboten oder nur mit einer Sondergenehmigung möglich ist. Vor dem Kauf müssen also auch regionale Gesetze und Verordnungen berücksichtigt werden. Details dazu findet ihr hier
Boa constrictor longicauda ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA II) / Anhang B geschützt. Als Halter benötigt man einen Herkunftsnachweis und muss die Haltung der Tiere außerdem der Behörde melden. (Bei uns: Untere Landschaftsbehörde Kreis Mettmann, Goethestr. 23, 40822 Mettmann, Tel.: 02104-0, Frau Peschkes)
Außerdem ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfügen.
Noch vor wenigen Jahren waren Nachzuchten dieser Boa constrictor Unterart sehr, sehr selten und somit entsprechend teuer. Mittlerweile gibt es einige Züchter (auch in Deutschland!) die regelmäßig ihre Nachzuchten aus verschiedenen Linien anbieten.
Laut Mindestgutachten für die Haltung von Reptilien gilt für diese Schlange die Formel 0,75 x 0,5 x 0,75. Das Terrarium für ein adultes Pärchen Boa constrictor longicauda mit 2 m Länge sollte also die Maße 150 x 100 x 150 cm nicht unterschreiten. Mit zunehmender Größe der Tiere muss das Becken entsprechend angepasst werden. Langschwanzboas klettern gerne und benötigen daher viele stabile Äste, die gut im Terrarium verankert sein sollten.
Zur artgerechten Haltung aller Riesenschlangen gehört auch immer pro Tier mindestens ein Rückzugsort wie z. B. Korkröhren, Tongefäße oder Höhlen. Mehrere Verstecke in unterschiedlichen Temperaturzonen geben den Boas die Möglichkeit, je nach Befindlichkeit ihren Aufenthaltsort frei zu wählen. Eine ausreichend große Wasserschale darf ebenfalls nicht fehlen. Die Tiere sollten die Möglichkeit haben, diese auch als Badeschale zu nutzen. Das Trink- und Badewasser der Tiere täglich wechseln, da sich sonst sehr schnell Bakterien bilden, die zu Infektionen führen können.
Echte Pflanzen würden in einem Boa-Terrarium aufgrund des Klimas zwar prächtig gedeihen, kommen aber meist nicht dazu weil sie von den Schlangen schlicht platt gedrückt werden. Man benötigt also entweder äußerst robuste Pflanzen oder muss auf künstliche Exemplare zurückgreifen. Am besten eignen sich unserer Ansicht nach künstliche Girlanden (z. B. Efeu), da sie sehr gut um die Äste im Terrarium gewickelt werden können. Den Schlangen ist es jedoch völlig egal, ob Pflanzen vorhanden sind oder nicht – sie haben wenig Sinn für Inneneinrichtung.
Beim Substrat gibt es verschiedene Alternativen. Je nach Anspruch hat man die Wahl zwischen einem möglichst natürlichen Bodengrund wie z. B. Waldrindeneinstreu bzw. ungedüngtem Torf oder der hygienischen Haltung auf Zeitungspapier bzw. Handtüchern. Diese Variante wird von vielen Züchtern praktiziert, ist sehr hygienisch, lässt aber optisch stark zu wünschen übrig. Wer hat in seinem Wohnzimmer schon gerne ein tolles Regenwaldterrarium das mit Zeitungspapier ausgelegt ist? Zudem speichert Papier kaum Feuchtigkeit so dass man häufiger sprühen muss um die richtigen Luftfeuchtigkeitswerte zu erreichen. Verwendet man Waldrindeneinstreu als Bodengrund, muss bei einer Fütterung im Terrarium stets darauf geachtet werden, dass die Boa mit dem Futtertier kein Substrat aufnimmt Also: außerhalb des Beckens füttern!. Außerdem ist auf diesem Substrat aufgrund der groben Körnung und der dunklen Farbe der Kot der Tiere nur schwer zu entdecken, was Reinigungsarbeiten verlängert. Aus diesem Grund verwenden manche Halter helles Kleintiereinstreu. Da dieses Streu jedoch meistens stark staubt und so zu Atemwegserkrankungen führen kann, raten wir von dieser Möglichkeit ab. Besser ist da die Verwendung von hellem Einstreu, dass speziell für Schlangen entwickelt wurde wie z. B. ZooMed’s Aspen Snake Bedding.
Messgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit runden die Einrichtung ab. Am besten platziert man je ein Thermometer an der wärmsten und an der kühlsten Stelle, sowie direkt unter dem Wärmespot. So hat man Kontrolle über alle nötigen Temperaturzonen.
Boa constrictor longicauda benötigt eigentlich kein künstliches UV-Licht. Allerdings kommen beim Einsatz einer Leuchtstoffröhre mit einem der Sonne ähnlichen Strahlungsspektrum die Farben der Tiere sehr viel besser zur Geltung. Als Grundbeleuchtung für das Terrarium eignet sich daher eine Leuchtstoffröhre mit UV-Anteilen. Die UV-Ausbeute lässt bei Röhren allerdings mit der Zeit nach so dass diese mehrmals im Jahr ausgetauscht werden sollten.
Im Sommer liegt die Beleuchtungsdauer bei 12 bis 14 Stunden, im Winter kann man auf 10 Stunden reduzieren.
Bei allen Schlangen, die eine erhöhte Luftfeuchtigkeit benötigen, raten wir vom Einsatz einer Bodenheizung wie z. B. Heizkabel oder einer Heizmatte unbedingt ab. Die Schlangen legen sich gerne direkt darauf und trocknen dann aus. Die Folge sind meist akute Häutungsschwierigkeiten, selbst wenn die Luftfeuchtigkeit in den übrigen Bereichen des Terrariums optimal ist. Als Heizquelle eignet sich daher am besten ein Keramikheizstrahler, welcher von einem Schutzgitter umgeben sein sollte, damit die Tiere nicht zu nah an die Heizquelle herankommen und sich ggf. schwerwiegende Verbrennungen zuziehen. Lokale Strahlungswärme und sichtbares Licht erzeugt ein automatisch über eine Zeitschaltuhr gesteuerter Wärmespot. Vor allem trächtige Weibchen legen sich gerne darunter und drehen ihre ungeborenen Jungtiere zur besseren Entwicklung Richtung Wärmestrahl. Außerdem ist die Verwendung eines Temperaturreglers mit Fühler (z. B. Biotherm) zu empfehlen. Dieser misst permanent die Temperatur im Terrarium und schaltet die Heizquelle je nach Bedarf ein bzw. aus. Insgesamt sollte das Terrarium tagsüber verschiedene Temperaturzonen von 25 bis 35°C bieten. Nachts können die Temperaturen auf 21 bis 24°C abfallen.
Die Luftfeuchtigkeit sollte bei etwa 60% liegen. Zwar gilt die Boa constrictor longicauda als relativ robust, dauerhaft viel zu trockene oder viel zu feuchte Haltung kann aber dennoch zu Hautproblemen oder Infektionen der Atemwege führen.
Die Boa constrictor longicauda ernährt sich von verschiedenen Nagern (Mäuse, Ratten) Vitaminmangel kann auch bei diesen Schlangen zu Häutungsschwierigkeiten führen. Um auch Nagetiere zusätzlich mit Vitaminen anzureichern, gibt es spezielle Flüssigvitamine. Toten Futtertieren spritzt man diese einfach kurz vor der Fütterung unter die Haut, bei lebenden Tieren reicht eine Beträufelung des Fells. Die Ratte oder Maus nimmt die Vitamine dann durch lecken ihres Fells auf. Für die Tumbes Boa reicht in der Regel eine Aufwertung des Nagetiers bei jeder 5. Fütterung (zu viele Vitamine sind auch nicht gut und können schlimmstenfalls sogar den Tot der Boa zur Folge haben!).
Wir empfehlen alle Schlangen zur Fütterung aus dem Terrarium zu nehmen und separat in einer Plastikbox zu füttern. Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile. Zum einen können lebende Futtertiere sich nicht im Terrarium verstecken und haben nicht viele Möglichkeiten zu fliehen. Zum anderen verhindert man, dass die Schlange mit dem Futtertier auch Substrat aufnimmt. Außerdem gibt es bei Riesenschlangen oft großen Futterneid, weshalb eine Fütterung mehrere Tiere stets einzeln erfolgen muss. Andernfalls können sich die Tiere ineinander verbeißen, was teilweise schwerwiegende Verletzungen zur Folge hat.
Wenn man ausschließlich tote Nager verfüttert kann es passieren, dass die Boa auf Dauer ihren natürlichen Jagdtrieb verliert. Um das zu Verhindern simuliert man durch wackeln (z. B. mittels Futterzange) das zappeln einer lebenden Maus – und zwar solange, bis sich die Schlange um ihre Beute gewickelt und diese somit „getötet“ hat.
Die Paarungszeit der Boa constrictor longicauda beginnt im November und endet meist Anfang März. Wie alle Boa-Arten ist auch die Langschwanz Boa lebendgebärend. Jungtiere von Boa constrictor longicauda sind noch recht unscheinbar gefärbt. Bis zum Alter von etwa 3 Jahren färben sie sich mehrfach um und werden von Häutung zu Häutung farbenprächtiger und kontrastreicher...
Wir hatten vor vielen Jahren das Glück, an ein Pärchen dieser wunderschönen Boa zu kommen. Die Jungtiere wurden von uns großgezogen, mit der Absicht, sie im Adultstadium miteinander zu verpaaren. Leider ist dann jedoch kurz vorher das Männchen verstorben. Als nach monatelanger intensiver Suche kein neues passendes Gegenstück aufgetrieben werden konnte, haben wir uns schließlich schweren Herzens auch von dem Weibchen getrennt. Unsere Versuche liegen nun aber bereits einige Zeit zurück. Mittlerweile gibt es mehrere Züchter, die regelmäßig Nachzuchten von Boa constrictor longicauda anbieten.
Schutzstatus: |
WA II Meldepflicht (Sie erhalten beim Kauf einen Herkunftsnachweis des Tieres) |
Verbreitungsgebiet: |
Ausschließlich in der Region Tumbes in Nord-Peru |
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Temperatur: |
Tagsüber: 25 – 30°C, Lokal 30 – 35°C, Nachts: 21 - 24°C |
Beleuchtungsdauer: |
12 - 14 Stunden täglich, Tageslichtröhre + Wärmespot, evtl. UV Licht |
Luftfeuchtigkeit: |
ca. 60 - 70% |
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Terrariumempfehlung Lt. Gutachten: |
für Tiere bis 150 cm: 1 x 0,5 x 0,75 (Faktor x GL des Tieres) |
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für Tiere ab 150 cm: 0,75 x 0,5 x 0,75 (Faktor x GL des Tieres) |
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Maximale Größe: |
bis 280 cm, Männchen mit 200 bis 250 cm etwas kleiner |
Maximales Alter: |
bis zu 40 Jahre |
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Aktivität: |
Dämmerungs- & Nachtaktiv |
Futter: |
Nager |
Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!
An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...
Berichte in Zeitschriften
Denzer, W. Das Portrait: Boa constrictor - Abgottschlange
Sauria 4 (4) (1982): S. 1-2
Knietsch, V. Eine ungewöhnliche Farb- und Zeichnungsvariante von Boa constrictor.
Elaphe 8 (1) (2000): S. 13-14
Lehr, E. & Lara, J. Die Schlangenfauna von Pozuzo (Peru)
(Reptilia: Serpentes). Faun. Abh. Mus. Tierk. Dresden 22 (2) (2002): S. 353-359
Monzel, M. Eine Schlange mit vielen Gesichtern • Zur Variabilität und subspezifischen Differenzierung von Boa constrictor. Reptilia 19 (1999): S. 29-34
Wengler, W. Porträt und Poster: Boa constrictor.
Reptilia 9 (1998): S. 39-43
Weitere Literaturempfehlungen (z. B. allgemeine Schlangenbücher, Literatur für Anfänger, Bücher zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht einzelner Arten) findest Du in unserem Literaturverzeichnis
(c) 2008, www.reptilienland.com
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