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Avicularia versicolor (WALCKENAER, 1837)
Martinique-Baumvogelspinne

(engl. Martinique Red Tree Spider / Martinique Pinktoe)

 

 

Haltung / Anspruch


• Anfänger

• Erfahrene Vogelspinnenhalter

 

Avicularia versicolor ist aufgrund ihrer fantastischen Färbung, ihrer Aktivität und ihres interessanten Verhaltens eine sehr beliebte Vogelspinnenart. Da sie die Bäume der tropischen Regenwälder bewohnt, bietet ihr Terrarium zahlreiche schöne Gestaltungsmöglichkeiten. Hier können sich auch erfahrene Spinnenhalter austoben und optisch ansprechende Tropenterrarien kreieren. Beachtet man ein paar wichtige Grundsätze, ist die Haltung, Pflege und Nachzucht der Martinique Baumvogelspinne relativ einfach und unkompliziert. Avicularia versicolor ist zudem eine sehr friedliche Art, die auch Anfängern empfohlen werden kann.

 

Verbreitungsgebiet / Natürlicher Lebensraum


Avicularia versicolor bewohnt die tropischen Bergregenwälder auf Martinique und Guadeloupe. Die Spinnen leben als typische Baumspinnen in der üppigen Vegetation im Norden der Inseln. Das Klima im natürlichen Verbreitungsgebiet von Avicularia versicolor ist tropisch. Insbesondere während der Regenzeit von Juni bis Oktober herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Im Januar liegt die durchschnittliche Lufttemperatur bei 21 bis 27°C, im August und September können Spitzenwerte von 30°C erreicht werden.

 



Schutzstatus


Avicularia versicolor unterliegt keinem Artenschutzabkommen. Man benötigt somit keinerlei Herkunftsnachweise und muss die Spinne in der Regel auch nicht der Behörde melden. Es gibt allerdings Bundesländer, Städte und Gemeinden, die in Vogelspinnen „potentiell gefährliche Tiere“ sehen und deren private Haltung einschränken, mit Auflagen versehen oder sogar verbieten. Die Gefahrenabwehrverordnungen sind Sache der Länder und unterscheiden sich insbesondere in der Definition der gefährlichen Arten teilweise gravierend. Es ist daher unbedingt nötig, sich VOR dem Kauf eines "gefährlichen Tieres" beim Ordnungsamt kurz nach den aktuellen Regelungen zu erkundigen.

 

Auch wenn Avicularia versicolor nicht unter Artenschutz steht, ist dennoch natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier entsprechend seiner Art und seinen Bedürfnissen ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über entsprechende Sachkunde zur Haltung des Tieres verfügen.

 

Weitere Infos zu den verschiedenen Gesetzen und Verordnungen findet ihr in unserem Bereich Gesetze und Richtlinien der Terraristik

 

Verhalten / Handling


Vogelspinnen gehören unserer Ansicht nach nicht auf die Hand – selbst wenn sie noch so friedlich sind! Auch von einem Handling mit einer Pinzette raten wir ab, da die Spinne damit leicht verletzt werden könnte. Ist es nötig, die Spinne aus dem Terrarium zu nehmen (z. B. bei Reinigungsarbeiten), gibt es eine sehr schonende Methode, die beim Tier weitaus weniger Stress verursacht als das Einfangen per Hand oder gar Pinzette: Man stülpt eine Heimchendose über die Spinne und schiebt von unten vorsichtig den Deckel darunter.

 

Die Martinique Baumvogelspinne ist ein Einzelgänger und betrachtet andere Spinnen als mögliche Beute. Sie muss daher in jedem Fall einzeln gehalten werden!

 

Bei Vogelspinnen kann man hin und wieder beobachten, dass die Tiere nach einer Häutung ihr Verhalten ändern. Ein vorher absolut friedliches Tier kann dann plötzlich angriffslustig und aggressiv sein. Die typischen Warnzeichen wie Drohgebärden, Stridulieren und Bomardieren sollten daher immer ernst genommen werden, denn danach bleibt der Spinne nur noch die Flucht oder der Angriff nach vorne samt Biss. Avicularia versicolor ist jedoch als sehr friedliche Art bekannt. Fühlt sie sich gestört oder bedroht, ergreift sie in den meisten Fällen als erstes die Flucht. Die Martinique Baumvogelspinne ist sehr schnell und kann sehr gut und weit springen. Wir konnten häufig beobachten, wie Fluginsekten (am liebsten dicke Motten) aus dem Sprung heraus in der Luft erbeutet wurden.

 

Eine Abwehrreaktion von Vogelspinnen ist das "Abwerfen" der Beine. Ist das Tier eingeklemmt oder wird von einem Angreifer festgehalten, kann es das Bein zwischen Coxa und Trochanter abwerfen und so entkommen. Nach den nächsten Häutungen sind die verlorenen Gliedmaßen vollständig wieder hergestellt.

 

Avicularia versicolor ist überwiegend nach Einbruch der Dämmerung aktiv. Den Tag verbringt sie zurückgezogen in ihrem Wohngespinst. Die Tiere bauen große und sehr fest gewebte Netze in Astgabeln oder zwischen verschiedenen Einrichtungsgegenständen des Terrariums.

 

Terrarium / Einrichtung


Für eine adulte Avicularia versicolor reicht ein Terrarium mit den Maßen 30 x 30 x 40 cm (L x B x H) vollkommen aus. Von Bedeutung ist für diese typischen Baumbewohner vor allem die Höhe des Beckens. Es eignen sich sowohl Schiebe- als auch Falltürterrarien. Das Becken sollte aber einen erhöhten Frontsteg haben, so dass der Bodengrund 7 bis 10 cm hoch eingefüllt werden kann. Wichtig ist außerdem eine gute Belüftung des Terrariums.

 

Um bei seinem Tier das natürliche Verhaltensrepertoire beobachten zu können, muss das Terrarium auch möglichst naturnah eingerichtet sein. Avicularia versicolor benötigt als Baumbewohner senkrecht in das Terrarium eingebrachte, dicke Äste oder Korkröhren, zwischen welchen sie ihr Wohngespinst anlegen kann. Der Bodengrund besteht aus einem lehmhaltigen Substrat, es kann aber auch ungedüngte! Blumenerde oder spezielle Terrarienerde verwendet werden. Damit die Tiere nicht mit ihren Tarsen einsinken muss ein solcher Bodengrund jedoch sehr gut festgedrückt werden.

 

Echte Pflanzen sind nicht nur optisch eine Bereicherung für jedes Terrarium, sie tragen auch zum natürlichen Klima bei. Hier kann man z. B. Philodendron-Arten verwenden. Neue Pflanzen immer mehrfach gründlich abduschen, um Rückstände von Dünger und Pestiziden zu entfernen. Entweder man stellt die Pflanze samt Topf in das Terrarium, oder aber man pflanzt sie direkt in den Bodengrund. Das hat den Vorteil, dass die Wurzelballen der Pflanzen die Feuchtigkeit länger im Boden halten. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, sollte man spitze oder scharfkantige Einrichtungsgegenstände wie z. B. Steine oder Kakteen komplett vermeiden. Enge Ritzen oder Spalten zwischen einzelnen Einrichtungsgegenständen können ebenfalls zu einer Gefahr für die Vogelspinne werden. Bleiben die Tiere dort mit ihren Krallen hängen und können sich nicht selber befreien, reißen sie sich unter Umständen die Beine ab.

 

Eine Wasserschale ist nicht zwingend erforderlich. Die meisten Vogelspinnen benötigen kein zusätzliches Trinkwasser, da sie genügend Feuchtigkeit durch ihr Futter und die Luft aufnehmen. Allerdings trocken die Tiere bei zu heißer und trockener Haltung auch sehr schnell aus. Für Avicularia versicolor reicht es, einmal in der Woche die Pflanzen zu wässern und somit einen Teil des Substrates zu befeuchten. Zusätzlich sprüht man etwas Wasser an eine Terrarienscheibe in unmittelbarer Nähe des Wohngespinstes. Unsere A. versicolor trank gerne die Tropfen von der Scheibe, möchte es aber überhaupt nicht, wenn sie oder ihr Netz direkt besprüht wurden.

 

Zur Kontrolle der Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit benötigt man außerdem natürlich entsprechende Messinstrumente.

 

Beleuchtung / Klima


Das Klima im natürlichen Verbreitungsgebiet von Avicularia versicolor ist tropisch. Die Temperaturen liegen im Sommer zwischen 25 und 27°C, im Winter bei durchschnittlich 24°C. Von Juni bis November gibt es eine Regenzeit mit starken Niederschlägen.

 

Wir haben im Terrarium mit Tagestemperaturen von 23 bis 26°C sehr gute Erfahrungen gemacht. Oft reicht bereits eine Beleuchtung aus einem Halogenspot aus, um diese Werte zu erreichen. Als Halter muss man aber auch nicht panisch werden, wenn im Sommer die Werte mal auf 30°C ansteigen. Das kommt auch in der Natur vor und solange solch hohe Temperaturen kein Dauerzustand sind, wird die Spinne es schadlos überstehen. Nachts sollten die Werte auf 20 - 22°C abfallen. Das erreicht man meist durch schlichtes Abschalten der Beleuchtung. Um einen exakten Tag-Nacht-Rhythmus zu simulieren, empfiehlt sich für die Beleuchtungssteuerung der Einsatz einer Zeitschaltuhr.

 

Avicularia versicolor darf nicht zu trocken, aber auch nicht zu feucht gehalten werden. Hier ist die Beobachtung seiner Spinne das A und O. Ein Teil des Bodengrundes sollte einmal wöchentlich gewässert werden. Echte Pflanzen tragen zum optimalen Klima bei, da sie (sofern sie direkt in das Substrat des Terrariums gepflanzt werden) die Feuchtigkeit länger im Boden halten. Abgesehen vom Wässern der Pflanzen muss der Bodengrund dann in der Regel nicht mehr zusätzlich befeuchtet werden. Man sollte immer darauf achten, dass im Terrarium keine Staunässe entsteht! 2 bis 3 Tage nach dem Wässern sollte das Substrat wieder komplett abgetrocknet sein. Ist dies nicht der Fall kann eine unzureichende Belüftung des Terrariums der Grund dafür sein.

 

Avicularia versicolor benötigt eine Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80%. Verwendet man einen Bodengrund, der die Feuchtigkeit gut speichert ergeben sich diese Werte bei regelmäßigem Wässern der Pflanzen meist automatisch, ohne das zusätzlich gesprüht werden muss. Da die Baumbewohner ihren Flüssigkeitsbedarf aber auch durch das Auflecken von Sprühwassertropfen decken, sollte man 1x in der Woche innen an eine Scheibe in der Nähe des Wohngespinstes sprühen. Das Netz selber und die Spinne aber nicht direkt ansprühen!

 

Nachzucht


Avicularia versicolor lässt sich im Terrarium relativ einfach nachzüchten. Setzt man das Männchen zum Weibchen, fängt es meist sofort an zu trommeln. Wird dieses Trommeln vom Weibchen erwidert ist es paarungswillig und das Schauspiel kann beginnen. Die eigentliche Paarung verläuft meistens sehr friedlich, danach muss der Bock aber umgehend wieder in sein eigenes Terrarium befördert werden. 8 Wochen später beginnt das Weibchen mit dem Kokonbau, der durchschnittlich etwa 150 Eier enthält. Der folgende Clip zeigt einen Teil des Paarungsaktes von Avicularia versicolor

 

 


Ernährung


Vogelspinnen verdauen ihre Nahrung extrakorporal, d.h. außerhalb des Körpers. Sie spritzen ihr Gift in das Innere ihrer Beute und saugen dann den verflüssigten Saft auf.

 

Avicularia versicolor ist eine ausgezeichnete Jägerin. Erblickt sie ein Futtertier, kommt sie langsam aus ihrem Wohngespinst geklettert und jagt der Beute nach oder erneutet sie im Sprung. Die Tiere haben eine Vorliebe für Fluginsekten – vor allem Motten und Stubenfliegen wurden bei uns stets gut angenommen. Im Terrarium kann man außerdem Heimchen, Grillen, kleine Falter, Tebo-Raupen, Mehlwürmer oder auch Schaben verfüttern. Die Größe der Futtertiere sollte natürlich immer der Größe der Spinne angepasst sein. Bei ausgewachsenen Exemplaren reicht eine Fütterung einmal in der Woche vollkommen aus. Nymphen sollten häufiger gefüttert werden. Ihnen kann man alle paar Tage Drosophila oder 2 – 3 Micro Heimchen oder Grillen anbieten. Nach ein paar Häutungen bewältigen die Jungspinnen bereits kleine Heimchen und Stubenfliegen.

 

Wenn Avicularia versicolor sich in ihre Wohnhöhle einspinnt, steht meistens eine Häutung bevor. Dann am besten auf die Futtergabe verzichten. Nach der kraftraubenden Häutung sollte man mindestens 1 weitere Woche bis zur nächsten Fütterung warten, dann aber eine zeitlang täglich Futter anbieten, damit die Spinne ihre Reserven wieder aufbauen kann.

 

Zusammenfassung


Schutzstatus:

keiner

 

 

Verbreitung:

Martinique, Guadeloupe

Aktivität:

Dämmerungs- und Nachtaktiv

Temperatur:

Tagsüber: 23 - 26°C, Nachts: 20 - 22°C

Luftfeuchtigkeit:

ca. 70-80%

 

 

Vergesellschaftung:

nur Einzelhaltung!

Maximale Größe:

6 cm

Maximales Alter:

Weibchen bis zu 15 Jahre

Terrarium:

30 x 30 x 40 cm

Futter:

Insekten wie Fliegen, Motten, Falter, Heimchen, Grillen...

Verhalten:

friedlich, daher auch für Anfänger geeignet

 

 

 

 


            

Quellen / weiterführende Literatur


 

Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!

 

An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...

 

 

Berichte in Zeitschriften:

 

BERTANI, R., T. BOSTON, Y. EVENOU & J. P. L. GUADANUCCI (2003): Release of urticating hairs by Avicularia versicolor (Walckenaer, 1837) (Araneae, Theraphosidae). Bull. Br. Arachnol. Soc. 12(9): 395-398.

 

STRIFFLER, B., A. BOCHTLER & H.-W. AUER. (2003): Südamerikanische Baumbewohner: Avicularia, Tapinauchenius & Psalmopoeus. DRACO 4(16): 37-50.

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

 

                                                                             

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

Weitere Literaturempfehlungen (z. B. zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien oder der Nachzucht) findest Du in unserem Literaturverzeichnis

 

 


 

 

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