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Brachypelma emilia (WHITE, 1856)
Orangebein Vogelspinne

(engl. Mexican redleg Tarantula)

 

 

Haltung / Anspruch


• Anfänger

• Erfahrene Vogelspinnenhalter

 

Brachypelma emilia ist in der Terrarienhaltung weit verbreitet. Besonders Einsteiger halten diese Art gerne als zweite oder dritte Vogelspinne in ihrem neuen Hobby. Sie gehört zweifellos zu den schönsten Brachypelma-Arten, kann teilweise jedoch etwas launisch reagieren.

 

Systematik


Ordnung:

Webspinnen (Araneae)

Unterordnung:

Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)

Familie:

Vogelspinnen (Theraphosidae)

Unterfamilie:

Theraphosinae

Gattung:

Brachypelma

 

 



Schutzstatus


Alle Brachypelma Arten stehen im Anhang B des Washingtoner Artenschutzabkommens. Dies bedeutet, dass alle Brachypelma Arten geschützte Arten sind. Beim Erwerb eines dieser Tiere muß daher immer auf einen Kaufbeleg geachtet werden. Diesen bekommt man vom Verkäufer und er dokumentiert, von wem das Tier erworben wurde und woher es stammt. Wenn möglich sollten zudem das Alter und das Geschlecht des Tieres darauf stehen. Diesen Kaufnachweis (Herkunftsnachweis) muss man auf Verlangen der Naturschutzbehörde jederzeit vorlegen können. Kann man dies nicht, werden die Tiere beschlagnahmt und es droht ein Strafverfahren. Das Halten dieser Vogelspinnen ohne Kaufnachweis verstößt gegen das Washingtoner Artenschutzgesetz und wird mit hohen Geldbußen geahndet. Dieses Artenschutzabkommen gilt international.

 

Außerdem muss man beachten, dass es Bundesländer, Städte und Gemeinden gibt, die in Vogelspinnen „potentiell gefährliche Tiere“ sehen und deren private Haltung einschränken, mit Auflagen versehen oder sogar verbieten. Die Gefahrenabwehrverordnungen sind Sache der Länder und unterscheiden sich insbesondere in der Definition der gefährlichen Arten teilweise gravierend. Es ist daher unbedingt nötig, sich VOR dem Kauf eines "gefährlichen Tieres" beim Ordnungsamt kurz nach den aktuellen Regelungen des eigenen Wohnortes zu erkundigen.

 

Außerdem ist natürlich das deutsche Tierschutzgesetz für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass die Bedürfnisse einer Tierart in Punkto Ernährung, Pflege und Unterbringung erfüllt werden müssen. Das Tier muss Platz für eine artgerechte Bewegung haben, Schmerzen und vermeidbare Leiden müssen verhindert werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über entsprechende Sachkunde zur Haltung des Tieres verfügen.

 

 

Verhalten


Diese schöne Brachypelma-Art gehört mit zu meinen Lieblingsvogelspinnen und ist in der Terrarienhaltung weit verbreitet.

 

Das Verhalten von Brachypelma emilia würde ich als teilweise etwas launisch beschreiben. An manchen Tagen verhält sie sich ruhig oder flüchtet bei einer Störung in ihr Versteck, an anderen Tagen bleibt sie bei einer Störung unbeeindruckt oder begibt sich sogar offensiv auf den Störenfried zu (wahrscheinlich von ihrem Fresstrieb gesteuert) Im Umgang mit ihr sollte man daher etwas vorsichtiger vorgehen, da diese schöne Vogelspinne auch gerne mal etwas hektisch reagiert. Gerade in Stresssituationen, wie beim Umsetzen, kann Brachypelma emilia einem Einsteiger daher etwas kompliziert vorkommen.

 

Zu ihrem Abwehrrepertoire gehören Bombardieren, Beißen und Flüchten.

 

 

Handling / Gefahren


Vermeiden Sie das Handling mit einer Vogelspinne so gut es Ihnen möglich ist. Jeder Kontakt mit einer Vogelspinne ist auch gleichzeitig eine Gefahr für Ihr Wohl. So setzen Sie sich bei jedem direkten Kontakt mit einer Vogelspinne auch zu gleich der Gefahr eines Bisses aus. Denn Vogelspinnen können jeder Zeit zu beißen. Bei einigen "ruhigen" Gattungen wie Grammostola oder Brachypelma kann ein Biss auch schon mal ohne Vorwarnung erfolgen. Dessen sollte Sie sich immer bewusst sein. Zwar flüchtet eine Vogelspinne in erster Linie, wenn sie die Möglichkeiten dazu hat, aber Vorsicht ist wohl immer besser als Nachsicht!

 

Manche Menschen reagieren allergisch auf die Brennhaare (Reizhaare) von Vogelspinnen. Einige berichten von starken Hautrötungen bis hin zu Blutblasenbildung auf der Haut. Hier scheint eine Sensibilisierung der Haut beim Kontakt mit den Brennhaaren vorzuliegen, was zu sehr unangenehmen Schmerzen führen kann. Tragen Sie am besten handelsübliche Gummihandschuhe beim hantieren im Terrarium. Auch beim Säubern sollte Sie diese tragen! Da viele Amerikanische Vogelspinnen ihre Brennhaare auch am Boden verteilen. Kommen Sie mit dem Bodengrund ohne Gummihandschuhe in Berührung, setzen sich die Brennhaare in ihre Haut ab, was unangenehme Folgen haben kann.

 

Bei einem Biss kann theoretisch jeder Mensch plötzlich allergisch auf das Gift der Vogelspinne reagieren. Auch wenn zuvor eigentlich keine Allergien bekannt sind! Es ist also immer ratsam, bei sichtbaren und spürbaren Veränderungen nach einem Biss, unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. Berichten Sie diesem dann auch, welche Vogelspinne sie gebissen hat. Eine weitere Gefahr bringt ein Anaphylaktischer Schock mit sich, der lebensgefährlich ist!



Terrarium / Einrichtung


An die Haltung stellt Brachypelma emilia keine großen Anforderungen, es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass man den Bodengrund nicht sonderlich feucht hält. Empfehlenswert wäre es, den Boden im Terrarium nur etwa zu 1/4 feucht zu halten und ansonsten trocken. Bei einem zu feuchten oder sogar nassen Bodengrund begibt sich Brachypelma emilia sehr schnell in die Höhe z.B. an Einrichtungsgegenständen oder der Seitenscheibe.

 

Als Bodensubstrat eignet sich ein Mix aus Blumenerde, Lehmpulver und Sand, den man im Verhältnis 50/30/20 einbringen kann. Alternativ kann man auch lehmhaltige Erde aus dem heimischen Wald verwenden und diese im Terrarium etwa 10 bis 15 cm hoch einbringen. Einige Exemplare von Brachypelma emilia graben sehr gerne im Terrarium, während andere dies so gut wie gar nicht tun. Trotzdem sollte man seinem Exemplar immer die Möglichkeit dazu geben und grabfeste Erde verwenden.

 

Eine Grundfläche von 30 x 30 cm sollte man nicht unterschreiten. Ich biete meiner Brachypelma emilia 40 x 30 cm an Grundfläche, mit lehmhaltigem Boden und einigen kleinen Steinen als Dekoration. Zudem darf eine Versteckmöglichkeit im Terrarium niemals fehlen. Hier kann man sich mit einem halbierten Stück Kork behilflich sein, welches man z.B. schräg an die Seitenwand lehnt. Oder aber man besorgt sich aus dem Wald ein paar Rindenstücke und verkeilt diese zu einer Höhle, was auch optisch etwas her macht. Eine obligatorische Wasserschale sollte im Terrarium ebenfalls nicht fehlen. Meine Exemplare von Brachypelma emilia konnte ich sehr oft daraus trinken sehen.

 

Die Reinigung des Terrariums sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Dies geschieht in soweit, dass alte Futterreste mit einer langen Pinzette aus dem Terrarium geholt werden, da ansonsten auch hier Schimmelgefahr besteht. Eine komplette Reinigung ist in den meisten Fällen nicht nötig, zumal sich Vogelspinnen nur sehr schwer an ein neues Revier gewöhnen, und es jedes mal "Stress" für sie bedeutet. Wenn die alten Futterreste regelmäßig entfernt werden, ist eine Komplettreinigung des Terrariums meist über mehrere Jahre völlig unnötig.

 

 

Ernährung


Vogelspinnen brauchen kein abwechslungsreiches Futterangebot. Am häufigsten werden Heimchen, Grillen und Heuschrecken verfüttert. Wer sich eine Vogelspinne anschafft, sollte kein Problem damit haben, dass diese Tiere mit Einzug des neuen Bewohners zukünftig mit zu seinem Leben gehören. Brachypelma emilia nimmt dieses übliche Angebot an Futtertieren sehr gut an, lediglich Schaben scheint sie nicht zu mögen und verschmäht diese bei mir grundsätzlich.

Eine Vitaminzugabe ins Futter ist bei Vogelspinnen nicht nötig.

 

 

Wasser oder Wassergel?

 

Wassergel wird künstlich hergestellt und ist so gesehen "Wasser in Gelform", also eine feste Flüssigkeit die zur Versorgung der Vogelspinne mit Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden kann. Das Wassergel wird nach den Aussagen der meisten Halter im Hobby von Vogelspinnen nur schlecht angenommen. Auch ist es ungemein teuer wenn man es auf die geringe Menge mal vergleicht mit Wasser. Bei höheren Temperaturen im Terrarium trocknet das Wassergel relativ schnell aus und ist dann klobig und nicht mehr für die Flüssigkeitsaufnahme der Vogelspinne geeignet.

 

Die handelsüblichen Wassergele sind auf der Basis von polymerisierten polymerisietes Acrylamid aufgebaut. Diese sind in höheren Mengen durchaus gesundheitsschädlich. Zwar enthält es nur sehr geringe Mengen dieser Monomere aber durch eine dauerhafte Aufnahme des Wassergels kann sich die Konzentration im Organismus durchaus erhöhen und schädlich wirken. Man weiß allerdings nicht wie sie sich auf den Organismus von wirbellosen Tieren auswirken können - daher ist das Risiko ungewiss. Ob man dieses eingehen muss bei seiner Vogelspinne? Ich denke das kann man durchaus vermeiden.

 

Erforscht sind bisher die Auswirkungen von Acrylamid und ihrer Monomere auf den Organismus von Insekten. Es gilt beim menschlichen Organismus als krebserregend und gentoxisch. Das allerdings auch nur in Konzentrationen von mehr als 0,1 % soweit mir das bekannt ist. Es sind also mit Langzeitschäden evtl. auch erst in der nachfolgenden Generation zu rechnen. Sprich beim Nachwuchs! Die neuen "Biowassergele" basieren auf Agar bzw auf Gelantine und sind ein perfekter Nährboden für Pilze und Bakterien. In der Mikrobiologie werden Nährböden für Mikroorganismen fast ausnahmslos mit Agar hergestellt, die Kolonisation mit Bakterien, Pilzen und Mikroorganismen erfolgt schon bei geringen Temperaturen, dieses stellt für Lebewesen ein hohes Risiko einer Vergiftung dar.

 

Daher empfehle ich jedem Vogelspinnenhalter seine Vogelspinne mit frischem Trinkwasser zu versorgen und die Finger weg zu lassen vom Wassergel.

 

 

Nachzucht


Die Zucht von Brachypelma emilia scheint nicht ganz einfach zu sein. Nicht selten zeigen sich die Geschlechtspartner aggressiv einander und man muss sie trennen, damit nichts Schlimmeres passiert. Treffen beide aber ruhig aufeinander, so dauert es nur wenige Minuten bis das Weibchen anfängt zu trommeln und das Männchen darauf antwortet. Dieses Vorspiel kann einige Zeit in Anspruch nehmen! Nach der Kopulation trennt sich das Männchen sehr schnell vom Weibchen, um nicht als Nachspeise zu enden.

 

Nach einer Zeit von etwa 4 bis 6 Monate (manches Mal auch bis zu 1 Jahr) baut das Weibchen einen Kokon und bewacht diesen stets. Der Bau kündigt sich dadurch an, dass sich das Weibchen in ihr Versteck zurück zieht und den Eingang meistens mit Spinnenseide und Bodengrund verschließt. Der Kokon kann dem Muttertier nach etwa 6 Wochen entnommen und gezeitigt werden. In der Regel schlüpfen aus einem Kokon zwischen 400 und 500 Jungtiere, die nur sehr langsam heranwachsen.

 

 

Zusammenfassung


Erstbeschreibung

WHITE, A. (1856). Description of Mygale emilia, a spider

 

from Panama, hitherto apparently unrecorded.

 

Proc. zool. Soc. Lond. 1856: 183-185, pl. XLIII

Deutscher Name

Orangebein Vogelspinne

Schutzstatus

Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens

 

 

Herkunft

Mexico, Costa Rica, Panama

Lebensweise

Bodenbewohnend

Terrarium

30 x 30 x 20 cm (L x B x H)

Temperaturen

Tagsüber 25 – 28°C, Nachts ca. 20°C

Luftfeuchtigkeit

ca. 60 %

 

 

Verhalten

Friedlich, bombardiert aber

Verteidigung

Bombardiert häufig, Flucht.

Körperlänge

bis zu 7 cm

Wachstum

sehr langsam

Lebenserwartung

über 20 Jahre

 

 

Fressverhalten

Nimmt Futter gut an

Nahrung

Heimchen, Grillen, Heuschrecken

 

 

Herzlichen Dank an unseren Gastautoren DONNY SKREBBA


DONNY SKREBBA

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Literaturverweise


White, A. (1856): Description of Mygale Emilia, a spider from Panama, hitherto apparently unrecorded. Proc. zool. Soc. Lond. 1856: 183-185 [p. 185, pl. 43]. (reprinted in Ann. Mag. nat. Hist. (2) 19: 406-407, 1857).

 

Demri, H. (1999): Echos des terrariums: Note sur Brachypelma emilia.

Arachnides 41.

 

McInnes, L. (2008): Brachypelma emilia breeding report.

Journal of the British Tarantula Society 23(2): 41-46.

 

McKee, A.M. (1986): Emilia exploitation.

Journal of the British Tarantula Society 1(4): 81-83.

 

Verdez, J.-M. (1993): Fiche d'élevage: EUATHLUS emilia (White, 1856).

Arachnides 16.

 

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

 

                                                                             

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

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