Brachypelma smithi (F. O. P.-CAMBRIDGE, 1897) Rotknievogelspinne
(engl. Mexican Redknee Tarantula)
Haltung / Anspruch
• Anfänger
• Erfahrene Vogelspinnenhalter
Brachypelma smithi ist die wohl beliebteste Vogelspinne in deutschen Terrarien. Die wunderschöne Art fasziniert aufgrund ihrer tollen Optik, des interessanten Verhaltens und ihrer langen Lebenserwartung seit vielen Jahren sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Vogelspinnenhalter. Beachtet man ein paar wichtige Grundsätze, ist die Haltung und Pflege der Rotknievogelspinne relativ einfach und unkompliziert. Die geringen Haltungsansprüche und ihr meist sehr friedlicher Charakter machen Brachypelma smithi gerade für Anfänger zu einem idealen Pflegling.
Verbreitungsgebiet / Natürlicher Lebensraum
Brachypelma smithi kommt ausschließlich in zwei voneinander unabhängigen Verbreitungsgebieten im Westen Mexikos vor. Die eine Population findet man im Bundesstaat Colima, die Andere in Guerrero. Dort trifft man die Tiere unter Wurzeln, Steinen, Pflanzen, in selbst gegrabenen Höhlen oder in verlassenen Nagetierbauten an.
Die regengrünen Trockenwälder am Fuße des teilweise bis zu 400 Meter hohen Gebirges Sierra Madre del Sur bilden den Lebensraum von Brachypelma smithi. Diese, auch saisonaler Trockenwald genannte Vegetationsform, entsteht, wenn die Trockenzeit 5 bis 7 Monate im Jahr dauert. Die Regenzeit im natürlichen Verbreitungsgebiet von Brachypelma smithi dauert von Mai bis November und bringt pro Monat mehr als 200 mm Niederschlag.
Schutzstatus
Brachypelma smithi war die erste Vogelspinnenart, die aufgrund jahrelanger massiver Exporte offiziell geschützt wurde. Seit 1996 findet man die Art im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens, so dass für den Im- und Export außerhalb der EU-Staaten eine CITES Bescheinigung benötigt wird. Innerhalb der EU gilt die Europäische Artenschutzverordnung (Anhang B), d. h. beim Kauf einer Brachypelma smithi erhält man vom Verkäufer einen Herkunftsnachweis mit genauen Angaben zur Art und Anzahl der Tiere sowie der vollständigen Anschrift des Verkäufers. Verweigert einem der Verkäufer das Ausstellen einer solchen Bescheinigung, sollte man vom Kauf des Tieres Abstand nehmen, denn man benötigt den Herkunftsnachweis für die Meldung bei der zuständigen Behörde. Mehr dazu erfahrt Ihr in unserem Bereich Artenschutz
Außerdem ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier entsprechend seiner Art und seinen Bedürfnissen ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über entsprechende Sachkunde zur Haltung des Tieres verfügen.
Abgesehen von den verschiedenen Artenschutzverordnungen ist es in Mexiko mittlerweile verboten, ohne offizielle wissenschaftliche Sammelerlaubnis Vogelspinnen der Natur zu entnehmen. Dennoch sind die Tiere weiterhin bedroht, da ihre natürlichen Lebensräume immer weiter zerstört werden. In Deutschland kann die Nachfrage nach Brachypelma smithi komplett durch Nachzuchten abgedeckt werden.
In Deutschland gibt es Bundesländer, Städte und Gemeinden, die in Vogelspinnen „potentiell gefährliche Tiere“ sehen und deren private Haltung einschränken, mit Auflagen versehen oder sogar verbieten. Die Gefahrenabwehrverordnungen sind Sache der Länder und unterscheiden sich insbesondere in der Definition der gefährlichen Arten teilweise gravierend. Es ist daher unbedingt nötig, sich VOR dem Kauf eines "gefährlichen Tieres" beim Ordnungsamt kurz nach den aktuellen Regelungen zu erkundigen.
Weibchen von Brachypelma smithi benötigen etwa 4 bis 6 Jahre bis zur Geschlechtsreife, männliche Vogelspinnen dagegen nur 2 bis 3 Jahre. Während die Weibchen nach der Reifehäutung noch 20 Jahre oder länger leben, ist die Lebenserwartung der männlichen Tieren auf 1 bis 3 Jahre begrenzt.
Vogelspinnen gehören unserer Ansicht nach nicht auf die Hand – selbst wenn sie noch so friedlich sind! Auch von einem Handling mit einer Pinzette raten wir ab, da die Spinne damit leicht verletzt werden könnte. Ist es nötig, die Spinne aus dem Terrarium zu nehmen (z. B. bei Reinigungsarbeiten), gibt es eine sehr schonende Methode, die beim Tier weitaus weniger Stress verursacht als das Einfangen per Hand oder gar Pinzette: Man stülpt eine Heimchendose über die Spinne und schiebt von unten vorsichtig den Deckel darunter.
Verhaltensweisen
Brachypelma smithi gehört zu den Bombardierspinnen. Fühlt sie sich bedroht oder in die Enge getrieben, streift sie mit dem letzten Hinterbeinpaar ihre Reizhaare ab. Diese verfügen über eine Sollbruchstelle und lösen beim Menschen lästigen Juckreiz und manchmal auch Pustelbildung aus. Schmerzhafter ist da schon ein Biss der Spinne. Zwar ist das Gift von Brachypelma smithi lediglich mit dem der Bienen vergleichbar und somit nur für Allergiker eine ernsthafte Gefahr, die langen Giftklauen können aber tief in die Haut eindringen, was einen Biss dennoch zu einer schmerzhaften Angelegenheit macht. Meistens ist die Rotknievogelspinne jedoch sehr friedlich und versucht eher zu fliehen als zu beißen. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel...Bei Vogelspinnen kann man hin und wieder beobachten, dass die Tiere nach einer Häutung ihr Verhalten ändern. Ein vorher absolut friedliches Tier kann dann plötzlich angriffslustig und aggressiv sein. Die typischen Warnzeichen wie Drohgebärden, Stridulieren und Bomardieren sollten daher immer ernst genommen werden.
Eine weitere Abwehrreaktion ist das "Abwerfen" der Beine. Ist die Spinne eingeklemmt oder wird von einem Angreifer festgehalten, kann sie das Bein zwischen Coxa und Trochanter abwerfen und so entkommen. Nach der nächsten Häutung sind die verlorenen Gliedmaßen vollständig wieder hergestellt.
Unmittelbar vor einer Häutung färbt sich der Hinterleib von Brachypelma smithi dunkel. Insbesondere an der so genannten Glatze schimmern die neuen Brennhaare unter der Oberfläche durch. Da die Spinne während der Häutung absolut wehrlos ist, sollten kurz davor keine Futtertiere mehr in das Terrarium gegeben werden, da diese ansonsten die Spinne verletzen könnten. Vor Beginn der Häutung legt sich Brachypelma smithi auf den Rücken und verharrt dort absolut regungslos. Dieses Verhalten ist absolut normal und man sollte keinesfalls „eingreifen“ und die Spinne zurück auf die Beine stellen. Der Häutungsprozess ist extrem anstrengend für das Tier. Muss sich die Spinne aufgrund der Unwissenheit des Pflegers erst mehrfach zurück auf den Rücken drehen bleibt häufig keine Kraft mehr für das Abstreifen und es kann passieren, dass das Tier in der alten Haut stecken bleibt und stirbt. Jeglicher Stress während einer Häutung kann für die Spinne tödlich sein und muss somit unbedingt vermieden werden.
Je älter eine Spinne ist, umso länger dauert die Häutung. Während der gesamte Prozess bei Nymphen und Jungspinnen innerhalb von wenigen Minuten erledigt ist, kann die komplette Häutung bei älteren Tieren eine Stunde oder sogar länger dauern.
Brachypelma smithi ist ein Einzelgänger und betrachtet andere Spinnen als mögliche Beute. Sie ist daher nicht zu vergesellschaften und muss in jedem Fall einzeln gehalten werden!
Terrarium / Einrichtung
Unsere „Smithis“ lebten in Terrarien mit den Maßen 40 x 30 x 30 cm (L x B x H). Wichtig ist für die Bodenbewohner vor allem die Grundfläche des Beckens, die Höhe ist hingegen eher sekundär. Wichtig ist eine gute Belüftung, um Stickluft und Staunässe zu vermeiden. Für Brachypelma smithi eignen sich sowohl Schiebe- als auch Falltürterrarien. Beim Kauf sollte man allerdings darauf achten, dass der Frontsteg des Beckens hoch angesetzt ist, so dass es möglich ist, das Terrarium mit 8 bis 10 cm Bodengrund zu befüllen.
Verwendet man (ungedüngte!) Blumen- oder spezielle Terrarienerde, muss diese gut festgedrückt werden, so dass die Tiere mit ihren Tarsen nicht darin einsinken und auch Wohnhöhlen graben können. Besser geeignet und auch natürlicher ist ein Bodengrund mit hohem Lehmanteil, da dieser sich leicht angefeuchtet gut modellieren lässt und die gegrabenen Röhren eine höhere Stabilität bekommen.
Echte Pflanzen sind nicht nur optisch eine Bereicherung für jedes Terrarium, sie tragen auch zum natürlichen Klima bei. Hier kann man z. B. Aloe oder Haworthia-Arten verwenden. Neue Pflanzen vorab immer mehrfach gründlich abduschen, um Schadstoffe und mögliche Rückstände von Insektiziden zu entfernen. Entweder man stellt die Pflanze samt Topf in das Terrarium, oder aber man pflanzt sie direkt in den Bodengrund. Das hat den Vorteil, dass die Pflanze so die Feuchtigkeit länger im Boden hält. Abgesehen vom regelmäßigen Wässern der Pflanzen muss das Substrat dann in der Regel nicht mehr zusätzlich befeuchtet werden.
Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, sollte man spitze oder scharfkantige Einrichtungsgegenstände wie z. B. Steine oder Kakteen komplett vermeiden. Enge Ritzen oder Spalten zwischen einzelnen Einrichtungsgegenständen können ebenfalls zu einer Gefahr für die Vogelspinne werden. Bleiben die Tiere dort mit ihren Krallen hängen und können sich nicht selber befreien, reißen sie sich unter Umständen die Beine ab.
Manche Vertreter von Brachypelma smithi fangen erst nach Monaten an, sich eine Wohnhöhle zu graben. Es muss dem Tier allerdings immer von Anfang an ein feuchter Rückzugsort zur Verfügung stehen. Entweder man modelliert in einem solchen Fall selber eine kleine Höhle aus dem Bodengrund oder aber man stellt der Spinne einen anderen Unterschlupf wie z. B. ein Stück Korkrinde oder eine Kokosnusshälte zur Verfügung.
Eine Wasserschale sollte gerade bei Anfängern ebenfalls nicht fehlen. Zwar benötigen die meisten Vogelspinnen kein zusätzliches Trinkwasser, da sie genügend Feuchtigkeit durch ihr Futter und die Luft aufnehmen, allerdings trocknen die Tiere bei zu heißer und trockener Haltung auch sehr schnell aus. Die Wasserschale ist hierfür ein guter Indikator (siehe Beleuchtung / Klima) und erhöht die Feuchtigkeit der Luft.
Zur Kontrolle der Temperaturen darf natürlich auch ein Thermometer nicht fehlen.
Beleuchtung / Klima
Die Temperaturen im natürlichen Verbreitungsgebiet von Brachypelma smithi liegen das gesamte Jahr über zwischen 25 und 27°C, wobei im Sommer durchaus auch Spitzenwerte von über 40°C erreicht werden können. Es ist also sehr heiß und trocken, von Mai bis November gibt es jedoch eine ausgeprägte Regenzeit mit ausgiebigen Niederschlägen.
Bei der Simulation der klimatischen Verhältnisse im Terrarium muss man allerdings bedenken, dass die Tiere in ihrem Verbreitungsgebiet tagsüber meist in ihren Wohnhöhlen unter der Erdoberfläche leben und dort völlig andere Verhältnisse als an der Oberfläche herrschen. Mit zunehmender Tiefe fallen auch die Temperaturen, wobei durch das Erdreich zusätzlich die Luftfeuchtigkeit stark ansteigt. Bei der Haltung im Terrarium simuliert man also nicht primär das Klima des Verbreitungsgebietes, sondern muss das Mikroklima des eigentlichen Lebensraumes von Brachypelma smithi berücksichtigen.
Wir haben mit Tagestemperaturen von 25 bis 30°C stets sehr gute Erfahrungen gemacht und auch in den meisten Büchern werden solche Werte empfohlen. Oft reicht bereits eine Beleuchtung aus einem Halogenspot aus, um die gewünschten Werte zu erreichen. Wird das Terrarium aber durch Lichtquellen beleuchtet, die weniger Wärme erzeugen (z. B. Leuchtstoffröhren) kann zumindest im Winter eine zusätzliche Heizquelle nötig werden. Verwendet man hierzu eine Heizmatte, darf diese keinesfalls am Boden des Terrariums angebracht werden. Wird es der Spinne in der Natur zu warm, gräbt sie sich tiefer in ihre Wohnhöhle, denn mit steigender Tiefe sinken wie gesagt auch die Temperaturen. Das „erwartet“ die Spinne natürlich auch im Terrarium. Eine Bodenheizung führt jedoch mit steigender Tiefe zu wärmeren Temperaturen, was eine Austrocknung der Spinne zur Folge haben kann. Heizmatten also stets an einer Seitenwand anbringen, so dass die Vogelspinne die Wahl zwischen verschiedenen Temperaturzonen hat!
Nachts können und sollten die Werte auf Zimmertemperatur (18 bis 20°C) abfallen. Das erreicht man meist schon durch schlichtes Abschalten von Beleuchtung und Heizquellen. Um einen exakten Tag-Nacht-Rhythmus zu simulieren, empfiehlt sich für die Beleuchtungssteuerung der Einsatz einer Zeitschaltuhr.
Brachypelma smithi bewohnt einen sehr trockenen Lebensraum mit (abgesehen von der Regenzeit) niedriger Luftfeuchtigkeit. Ein guter Indikator für das Klima im Terrarium kann z. B. die Wasserschale sein. Muss diese alle paar Tage neu befüllt werden, wird die Spinne vermutlich zu heiß und trocken gehalten. Echte Pflanzen tragen ebenfalls zum optimalen Klima bei, da sie die Feuchtigkeit länger im Boden halten. Sprühen wird nur erforderlich, wenn der Bodengrund auch in tieferen Schichten ausgetrocknet ist.
Ernährung
Vogelspinnen verdauen ihre Nahrung extrakorporal, d.h. außerhalb des Körpers. Sie spritzen ihr Gift in das Innere ihrer Beute und saugen dann den verflüssigten Saft auf.
In der Natur ernährt sich Brachypelma smithi abgesehen von Insekten auch von Kleinsäugern und Reptilien. Im Terrarium kann man z. B. Heimchen, Grillen, Heuschrecken oder auch Schaben verfüttern. Die Größe der Futtertiere sollte natürlich immer der Größe der Spinne angepasst sein. Bei ausgewachsenen Exemplaren reicht eine Fütterung mit 5 - 6 Grillen oder 1 – 2 Heuschrecken alle 2 Wochen vollkommen aus. Nymphen sollten häufiger gefüttert werden. Ihnen kann man alle paar Tage Drosophila oder 2 – 3 Micro Heimchen anbieten. Nach etwa 6 Häutungen bewältigen die Jungspinnen bereits kleine Heimchen und Stubenfliegen.
Insbesondere vor einer Häutung legt Brachypelma smithi manchmal mehrwöchige Fresspausen ein – dies ist kein Grund zur Beunruhigung und die Tiere überstehen es meist unbeschadet. Nach der Häutung sollte dann aber ein großzügiges Futterangebot zur Verfügung stehen.
Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie…) oder im eigenen Garten kann man seinem Tier in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen. Unsere heimischen Insekten werden auch als Wiesenplankton bezeichnet. Sie sind reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten – auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden. So ist z. B. das bekannte grüne Heupferd nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.
Zusammenfassung
Schutzstatus:
WA II
Verbreitung:
Mexiko
Temperatur:
Tagsüber: 25 - 30°C, Nachts: ca. 20°C
Luftfeuchtigkeit:
trocken, aber 70 - 80% Bodenfeuchtigkeit im Versteck
Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!
An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...
Berichte in Zeitschriften
West, R. C. (2006): Die Brachypelma-Arten aus Mexiko.
ARACHNE 11(1): 4-17
Striffler, B. & Graminske, A. (2003): Brachypelma – die bunten Vogelspinnen Mexikos,
DRACO 4(16): 52–61.
Picard-Cambridge, Frederick O.: Arachnida. Araneidea and Opiliones. Volume II. [London : Pub. for the editors by R. H. Porter]: 1897–1905
Locht, A., Yanez, M. & Vazquez, I. (1999): Distribution and natural history of mexican species of Brachypelma and Brachypelmides (Theraphosidae, Theraphosinae) with morphological evidence for their synonymy, in: The Journal of Arachnology 27: 197-198.
Weitere Literaturempfehlungen (z. B. zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht) findest Du in unserem Literaturverzeichnis