Zwergbartagamen sind sehr robust, einfach zu pflegen und somit sehr gut für den Einstieg in die Terraristik geeignet. Aufgrund Ihres Dino-ähnlichen Aussehens und der Tatsache, dass sie sehr schnell handzahm werden, ist diese Agame besonders bei Anfängern sehr beliebt. Die Tiere können in artgerecht eingerichteten Terrarien sehr einfach gezüchtet werden und brauchen aufgrund ihrer geringeren Endgröße etwas weniger Platz als die "Dicke Schwester Pogona vitticeps"
Abstammung / Herkunft
Pogona henrylawsoni gehört zur Familie der Agamen, welche sich bereits vor etwa 100 Millionen Jahren aus den Schuppenkriechtieren (Squamanten) herausentwickelt hat. Pogona (Griechisch pogon = Bart) steht für die Gattung der Bartagamen im allgemeinen, henrylawsoni bezeichnet die Art. Neben Pogona henrylawsoni gibt es noch folgende weitere Arten:
• Pogona barbata
• Pogona vitticeps
• Pogona microlepidota
• Pogona minor
• Pogona minima
• Pogona mitchelli
• Pogona nullarbor
Pogona henrylawsoni wird ungefähr seit Anfang der 80er Jahre in deutschen Terrarien gepflegt. Man vermutet, das 1982 das erste Pärchen Pogona henrylawsoni in Deutschland eingeführt wurde.
Natürlicher Lebensraum
Alle Tiere der Gattung Pogona kommen ausschließlich in Australien vor. Pogona henrylawsoni bewohnt Savannen und Halbwüsten im nordwestlichen bis zentralen Queensland. Dabei bevorzugt die Zwergbartagame Gebiete mit extrem starker Sonneneinstrahlung.
Verbreitungsgebiet ist durchzogen von felsigen Gebieten, spärlicher Vegetation und teilweise nur saisonalen Flussläufen.
Zu den natürlichen Feiden dieser Art zählen vor allem Greifvögel wie Adler, Falken oder der australische Bussard, aber auch Dingos, Katzen und Füchse.
Schutzstatus
Da die Tiere in der Natur eine hohe Fluchtdistanz haben, liegen kaum Freilandbeobachtungen und somit auch keine genauen Bestandsangaben von Pogona henrylawsoni vor. Eine Ausfuhr der Tiere aus Australien ist streng untersagt. Zwergbartagamen sind jedoch sehr beliebte Terrarientiere und werden in deutschen Terrarien vor allem von privaten Haltern häufig nachgezüchtet. Die Nachfrage bei uns kann komplett durch diese Nachzuchten gedeckt werden. Eine Auswahl an Züchtern findet ihr in unserem Züchterverzeichnis
In Deutschland gibt es keine besonderen Schutzbestimmungen für Zwergbartagamen. Sie sind nicht artgeschützt, bedroht und schon mal garnicht gefährlich. Als Halter benötigt man somit keinerlei Herkunftsnachweise oder Genehmigungen und muss die Haltung der Tiere auch keiner Behörde melden.
Dennoch ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfügen.
Allgemeines über Zwergbartagamen
Pogona henrylawsoni ist neben Pogona minima die kleinste Bartagamen Art. Die Tiere erreichen eine Gesamtlänge von ca. 30 cm, wovon ca. 12 cm auf den Schwanz entfallen. Mit 1 Jahr sind Zwergbartagamen ausgewachsen und geschlechtsreif.
Zwergbartagamen werden wie gesagt besonders von Terraristik-Einsteigern gerne gehalten. Sie sind zwar relativ robust und verzeihen kleine Haltungsfehler besser als andere Reptilien, dennoch haben auch diese Tiere Ansprüche, die unbedingt erfüllt werden müssen. Neben einer guten Terrariengröße und Einrichtung ist vor allem die richtige Bestrahlung mit dem richtigen Licht für Sonnenanbeter wie Bartagamen lebensnotwendig.
Für viele Anfänger, die sich vorher noch nie mit der Terraristik beschäftigt haben, ist es Anfangs schwer nachzuvollziehen, dass eine ordentliche Beleuchtung - die immer von Anfang an zur Verfügung stehen muss - gut und gerne 150 bis 200 EUR kosten kann. Hinzu kommen die Anschaffungskosten für das Terrarium und die Einrichtung und auch der laufende Unterhalt für Futter und Strom ist bei Zwergbartagamen nicht zu unterschätzen.
Vor der Anschaffung eines solchen Tieres sollte man außerdem bedenken, dass neben dem Platzbedarf jahrelange tägliche Pflege auf einen zukommt. Man muss Salate und Gemüse putzen und anrichten, Wasser- und Futterschale säubern, Essensreste und den Kot aus dem Terrarium entfernen, UV-Bestrahlungen und regelmäßige Grundreinigungen durchführen – um nur einige Aufgaben zu nennen. Es muss außerdem immer eine fachkundige Urlaubspflege gewährleistet sein - und das im besten Fall über viele Jahre.
Leider landen auch Zwergbartagamen immer wieder in Auffangstationen oder Tierheimen, weil die Halter das Interesse verloren bzw. falsch beraten wurden, einfach wieder regelmäßig in Urlaub fahren möchten oder Investitionen in Beleuchtung, hochwertiges Futter oder Tierarztbesuche immer wieder "verschoben" wurden.
Reptilienauffangstation
Wer solchen Tieren helfen und nicht unbedingt eine ganz junge Bartagame pflegen möchte, der kann sich z. B. an die Reptilienauffangstation München wenden. Hier werden regelmäßig die verschiedensten Reptilien aus schlechter Haltung und Beschlagnahmungen aufgepeppelt und anschließend in neue, gute Hände vermittelt.
Durch die angeschlossene Reptilienklinik ist in der Auffangstation eine umgehende medizinische Versorgung der abgegebenen Tiere möglich. Für Fälle, die schwer vermittelbar oder noch in Behandlung sind, werden sogenannte Genesungspatenschaften angeboten. Mit einer solchen Patenschaft könnt ihr ganz gezielt ein spezielles Tier unterstützen und dessen Genesung mitverfolgen.
Die Zwergbartagame gehört neben der Australischen Bartagame zu den am häufigsten gehaltenen Terrarientieren. Aufgrund ihres wenig ausgeprägten Fluchtverhaltens im Terrarium wird sie schnell handzahm und ist daher gerade bei Terraristikanfängern sehr beliebt. In der Natur sind die Tiere hingegen sehr scheu und nur sehr selten zu beobachten.
Pogona henrylawsloni zeigen ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten. Daher sollten Zwergbartagamen entweder einzeln, paarweise, oder als kleine Gruppe von einem Männchen und 2 –3 Weibchen gehalten werden. Bei einer Haltung von zwei männlichen Tieren kommt es meist zu heftigen Kämpfen oder Unterdrückung, die letztendlich bis zum Tode eines der Tiere führen kann. Das ranghöchste Tier sitzt oft auf einem erhöhten warmen Platz, von dem aus es sein Revier überwachen kann.
Morgens sind die Tiere meist dunkel gefärbt. Die helle Färbung erreichen sie erst nach stundenlangem Sonnen, wobei sie ihre Körper abflachen, um möglichst viele Sonnenstrahlen aufnehmen zu können. Wird es den Tieren zu warm, öffnen sie das Maul und fangen an zu hecheln. Eine weitere Verhaltensweise von Zwergbartagamen ist das „Winken“, was als Beschwichtigungsgeste unterlegener Tiere zu deuten ist. Das „Kopfnicken“ ist zum einen während der Balz, zum anderen beim Verteidigen von Territorien zu beobachten. Eine Geste, die oft falsch gedeutet wird, ist das Schließen der Augen. Dies bedeutet nicht etwa, dass das Tier die Streicheleinheiten des Halters genießt sondern ist viel mehr ein Zeichen der Ablehnung.
Terrarium / Einrichtung
In der Natur sind Zwergbartagamen Einzelgänger. Man tut dem Tier also nichts böses, wenn man es auch im Terrarium einzeln pflegt. Eine paarweise Haltung ist möglich, kann sich auf Dauer aber in der Gesundheit und Lebenserwartung des weiblichen Tieres nieder schlagen. Der enorme Paarungsdruck des Männchens stellt das Tier unter permanenten Stress. Abhilfe schafft eine Gruppenhaltung von einem Männchen und 2 bis 3 Weibchen, bei welcher der Paarungsdruck auf mehrere Tiere verteilt wird. Allerdings braucht man für eine solche Haltung natürlich auch entsprechend viel Platz.
Das Terrarium für ein ausgewachsenes Pärchen Zwergbartagamen sollte mindestens die Maße 120 x 60 x 60 cm (B x L x H) haben und für alle Tiere ausreichend Kletter- und Versteckmöglichkeiten bieten. Sofern echte Steine oder Felsen in das Terrarium eingebracht werden, sollte man darauf achten, dass diese keine scharfen Ecken und Kanten haben und zudem gut verankert sind. Felsaufbauten immer befestigen und auch sicherstellen, dass sie nicht untergraben werden können! Ungeeignet ist Loch- oder Lawa-Gestein, da die Tiere mit ihren Krallen in den Löchern stecken bleiben können. Außerdem bieten solche Steine den Futterinsekten ideale Versteckmöglichkeiten, was gerade bei der Verfütterung von Heimchen oder Grillen nachts einen enormen Geräuschpegel zur Folge haben kann…
Eine große Wasserschale darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Aufgrund des Wüstenklimas kommen als echte Pflanzen allenfalls Tillandsien oder div. Sukkulenten in Frage. Im Fachhandel sind spezielle Arten für Wüstenterrarien erhältlich. Die meisten anderen Pflanzen gehen aufgrund der hohen Temperaturen sehr schnell ein oder werden von den Tieren gefressen. Kakteen sollten aufgrund der hohen Verletzungsgefahr ebenfalls besser nicht eingesetzt werden. Wer keinen grünen Daumen hat, der kann natürlich auch auf künstliche Pflanzen zurückgreifen. Zwergbartagamen haben keinen Sinn für Inneneinrichtung und es ist den Tieren relativ egal, ob sich im Terrarium echtes oder unechtes Grünzeug befindet. Mit schönen, künstlichen Gräsern, Wurzeln, Büschen und sonstigem „Gestrüpp“ lässt sich das recht trockene Habitat der Tiere auch auf diesem Wege gut imitieren und das Becken optisch aufwerten.
Als Bodensubstrat verwenden die meisten Halter Sand. Dem natürlichen Lebensraum der Tiere kommt allerdings ein Gemisch aus Sand und Lehm näher. Im Fachhandel ist spezieller Terrariensand mit hohem Lehmanteil erhältlich. Dieser wird bei Kontakt mit Wasser hart und ermöglicht so die Modellage einer schönen Steppenlandschaft (fester, gewachsener Boden).
Durch den Einsatz einer groben Felsrückwand mit Vorsprüngen und Höhlen kann die Aktionsfläche der Tiere weiter erhöht werden. Zwergbartagamen sind zwar überwiegend Bodenbewohner, können aber ausgezeichnet Klettern! Korkplatten, Korkäste, Wurzeln und Steinaufbauten sind willkommene Sonnenplätze. Generell sollte das Terrarium aber nicht zu vollgepackt werden, da Zwergbartagamen immer auch genügend Lauffläche benötigen. Etwa die Hälfte des Terrarienbodens sollte daher frei von Einrichtungsgegenständen bleiben.
Mehrere Thermometer runden die Einrichtung des artgerechten Beckens ab. Am besten platziert man je ein Messinstrument an der wärmsten sowie an der kühlsten Stelle des Terrariums sowie direkt unter dem Wärmespot. So hat man Kontrolle über alle nötigen Temperaturzonen. Ein Hygrometer ist in einem Terrarium für Zwergbartagamen nicht erforderlich.
Wer einen Garten hat, sollte über den Bau eines Freilandterrariums für den Sommer nachdenken. Die Tiere lieben ausgiebige Sonnenbäder und werden es Ihnen durch erhöhte Vitalität und Paarungsbereitschaft danken. Es gibt nichts besseres, als die natürliche Sonneneinstrahlung. Alternativ sind im Fachhandel diverse Netzterrarien erhältlich, die ohne großen Aufwand im Garten oder auf dem Balkon platziert werden können. Bitte sorgen Sie stets dafür, dass für die Zwergbartagame keine Gefahr durch Hunde, Füchse oder Vögel besteht und die Tiere immer die Möglichkeit haben, sich an einen schattigen Ort zurück zu ziehen.
Beleuchtung / Klima
Um Zwergbartagamen gesund und artgerecht zu halten, ist das richtige Licht einer der wichtigsten Faktoren. Die Terrarienbeleuchtung hat in vielerlei Hinsicht Einfluss auf das Leben, das Verhalten und die Entwicklung der Tiere. In der Terrarienhaltung sind drei Facetten des Sonnenlichtes von Bedeutung: sichtbares Licht, infrarotes Licht und ultraviolettes Licht. Das „richtige“ Licht ist also leider nicht mittels einer einzelnen Lampe herzustellen. Denn vereinfacht gesagt, sollte es ausreichend Wärme, Helligkeit und dass richtige Spektrum bieten.
Grundbeleuchtung
Die Zwergbartagame ist ein tagaktiver Wüsten- und Halbwüstenbewohner. Sie hat somit ein hohes Bedürfnis nach Helligkeit und Strahlungswärme. Ein gut ausgeleuchtetes Terrarium, in dem eine möglichst hohe Lichtleistung erreicht wird ist extrem wichtig für das Wohlbefinden der Tiere. Die Beleuchtung hat außerdem auch Einfluss auf die Aktivität und das Fressverhalten der Agamen.
In der Natur kommen Intensitäten von teilweise mehr als 100.000 lux vor. Im Terrarium eignet sich als Grundbeleuchtung entweder HQI Licht oder alternativ die Lucky Reptile Bright Sun UV Desert Terrarienlampe. Letztere hat nicht nur einen unglaublich langen Namen, sie erreicht auch sensationelle 60.000 lux und ist gleichzeitig die derzeit beste UV-Quelle für Wüstenterrarien. Für den Betrieb dieser Lampen benötigt man eine Porzellan- oder Keramikfassung und ein spezielles Vorschaltgerät.
UV-Beleuchtung
UV-B Strahlung ist für einen besonders wichtigen Stoffwechselprozess der Zwergbartagamen Voraussetzung. Sie bewirkt, dass das für den Knochenaufbau und den Blutkalziumspiegel wichtige Vitamin D3 gebildet werden kann. Futterzusätze als alleinige Vitamin D3 Quelle reichen nicht aus und können allenfalls als sinnvolle Ergänzung gesehen werden. Mangelt es den Tieren an UV B Licht, sind schwerwiegende Stoffwechselerkrankungen (u. a. Rachitis) die Folge. Das fehlende Kalzium wird den Knochen entzogen und die fortschreitende Entmineralisierung des Körpers führt zu Knochenerweichungen. Die Tiere fangen an zu zittern, es kommt zu Knochendeformierungen und -brüchen und letztendlich zum qualvollen Tod des Tieres. Oft kann nur durch eine langwierige Behandlung das Leben des Tieres gerettet werden. Einmal aufgetretene Deformierungen sind jedoch irreparabel und bleiben dauerhaft bestehen.
UV-A Licht kann von Reptilien im Gegensatz zum Menschen wahrgenommen werden. Beim Einsatz von UV-A Licht können die Tiere ihre Umwelt besser wahrnehmen, sind aktiver, fressen besser und verpaaren sich unter umständen auch lieber.
Um Zwergbartagamen regelmäßig extern, oder bei entsprechend großen Becken auch im Terrarium zu Bestrahlen und sie so mit den nötigen UV-Strahlen zu versorgen benötigt man einen UV Flächenstrahler. Diese Lampen verfügen über ein integriertes Vorschaltgerät und können in jede handelsübliche E27 Porzellanfassung geschraubt werden. Die 300 Watt Flächenstrahler (z. B. Osram Ultra Vitalux, Sanolux) sollten nicht dauerhaft in Betrieb sein, da dies Schäden an Haut und Augen der Tiere verursachen kann. Wir empfehlen für stark UV-bedürftige Tiere wie Zwergbartagamen eine tägliche Bestrahlungsdauer von 30 Minuten. Diese sollte nicht unterschritten werden, da die Lampe alleine 15 Minuten benötigt, um die maximale UVB-Abstrahlung zu erreichen.
Der Abstand von der Lampe zum Tier sollte aufgrund der hohen Leistung 80 cm nicht unterschreiten. UV-Flächenstrahler sind daher nur in sehr großen Terrarien für eine feste Installation geeignet. Ist dies nicht möglich, können die Tiere auch außerhalb des Beckens mit UV-Licht versorgt werden. Setzten Sie die Zwergbartagame dazu einfach in eine Faunabox und platzieren den UV-Strahler in entsprechendem Abstand darüber. Hierzu kann man z. B. die Fassung einer Schreibtischlampe oder spezielle Klemmlampen verwenden. Bei einem offenen Terrarium kann die Lampe aber auch einfach darüber gehängt und mittels Zeitschaltuhr gesteuert werden. Bitte beachten Sie jedoch, das Glas UV-Licht filtert! Das Terrarium sollte also oben wirklich komplett offen oder aber mit einem UV-durchlässigen Gazetop versehen sein.
Die derzeit einzige Alternative zu den UV Flächenstrahlern ist wie gesagt die Bright Sun UV Desert der Firma Lucky Reptile. Die 70 Watt Variante ist in Punkto Wärme und UV-Strahlung mit 160 Watt Flächenstrahlern vergleichbar und somit sehr effizient. Außerdem erzielen diese Lampen eine fünfmal höhere Lichtleistung,
Lokale Sonnenplätze
Alle Reptilien sind wechselwarme Tiere. Das bedeutet, ihre Körpertemperatur ist immer an die Umgebungstemperatur gebunden und sie sind auf äußere Wärmequellen angewiesen. Die Tiere sind nicht eigenständig in der Lage, z.B. durch das Verbrennen von Energie im Stoffwechsel die Körpertemperatur zu erhalten. Neben der Grund- und UV-Beleuchtung sollte das Terrarium daher außerdem mit mindestens einem Wärmespot ausgestattet sein, der lokale Temperaturen von bis zu 50°C erzeugt und welchen die Tiere nach Bedarf aufsuchen bzw. meiden können. Hält man mehrere Agamen in einem Becken, stellt man am besten jedem Tier seinen eigenen Sonnenplatz zur Verfügung.
Insgesamt sollten im Becken verschiedene Temperaturzonen von etwa 25 bis 30°C geschaffen werden. Die Beleuchtung am besten automatisiert über eine Zeitschaltuhr steuern, denn manuell ist nur schwer ein regelmäßiger Tagesablauf zu simulieren. HQI und Wärmespots sollten etwa 12 Stunden täglich in Betrieb sein, der UV-Flächenstrahler wird entweder täglich für 30 Minuten hinzugeschaltet oder man bestrahlt die Tiere extern.
Luftfeuchtigkeit
Zwergbartagamen bewohnen zwar einen sehr trockenen Lebensraum, dennoch nehmen sie in der freien Natur Feuchtigkeit durch Nahrung, Morgentau oder Regenwasser auf. Um das zu simulieren, sollte man daher je nach Jahreszeit ein bis mehrmals in der Woche morgens das Terrarium mit lauwarmem Wasser übersprühen. Staunässe oder das direkte ansprühen der Tiere muss jedoch in jedem Fall vermieden werden, da dies zu Hauterkrankungen führen kann.
Die folgende Grafik zeigt die durchschnittliche Niederschlagsmenge (in mm) im natürlichen Lebensraum am Beispiel von Alice Springs:
Durchschnittlicher Niederschlag (in mm)
Ernährung
Zwergbartagamen ernähren sich omnivor, also sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Da Jungtiere in der Entwicklung einen erhöhten Nährstoffbedarf haben, sollten bis zu einem Alter von 1 Jahr bis zu 70% Insekten angeboten werden. Man muss Zwergbartagamen aber von Anfang an auch an pflanzliche Nahrung gewöhnen und diese immer wieder anbieten. Je älter die Tiere werden, desto höher sollte der Anteil an pflanzlicher Nahrung werden. Ausgewachsene Zwergbartagamen ernähren sich zu 50-70% vegetarisch.
In der Terrarienhaltung neigen Zwergbartagamen leicht zur Verfettung. Man sollte die Tiere daher nicht täglich füttern, sondern bei ausgewachsenen Tieren ruhig 1 bis 2 mal in der Woche einen Fastentag einhalten. Davon ausgenommen sind lediglich Jungtiere und trächtige Weibchen, da diese sehr viele Proteine benötigen.
Die beste Nährstoffzusammensetzung für Zwergbartagamen liefern die eher bitteren Salatsorten wie z. B. Ruccola-, Endievien- oder Römersalat. Außerdem können Pflanzen wie Löwenzahn (Blätter und Blüten), Klee, Spitzwegerich, Brunnenkresse oder Petersilie sowie Obst (Äpfel, Birnen, Möhren, Kürbis, Tomaten, Paprika, div. Südfrüchte etc.) angeboten werden. Hier muss unbedingt auf mundgerecht zugeschnittene Stücke geachtet werden, da die Tiere das Futter sonst nicht aufnehmen können. Generell sollte die Ernährung so abwechslungsreich wie möglich gestaltet werden.
Insekten wie Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken, Wachsmotten, Regenwürmer und hin und wieder Zophobas oder Mehlwürmer vervollständigen den Speiseplan dieser Tiere. Auch Kellerasseln und Ameisen werden gerne angenommen. Das Lebendfutter sollte regelmäßig mit Vitaminen und Kalzium angereichert werden. Bei Jungtieren ist außerdem auf die passende Größe der Futtertiere zu achten. Bei der Haltung mehrerer Tiere in einem Terrarium ist zu beachten, dass immer ausreichend Futter vorhanden ist, so dass auch rangniedrigere Tiere regelmäßig zum Fressen kommen.
Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie…) oder im eigenen Garten kann man seinem Tier in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen und pflücken. Unsere heimischen Insekten werden auch als Wiesenplankton bezeichnet. Sie sind reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten – auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden. So ist z. B. das bekannte grüne Heupferd nach der Bundesartenschutz-verordnung streng geschützt.
Video: junge Zwergbartagame beim Fressen
Das folgende Video zeigt eine noch sehr junge Zwergbartagame beim jagen und fressen...
Winterruhe
Eine Winterruhe steigert den Fortpflanzungstrieb und die Vitalität der Tiere und erhöht zudem die Lebenserwartung. In der Natur halten Zwergbartagamen eine 2 bis 3 monatige Winterruhe in Erdlöchern oder Felsspalten. Oft ziehen die Tiere sich auch in der Terrarienhaltung automatisch im Winter zurück.
Während der Ruhephase sollten Beheizungs- und Beleuchtungsdauer schrittweise auf ca. 6 Stunden täglich heruntergesetzt oder sogar komplett ausgeschaltet werden. Die Temperatur sollte in dieser Zeit bei etwa 15°C liegen. Bitte beachten Sie, dass die Tiere bei diesen Temperaturen nicht mehr verdauen können. Vor der Winterruhe ist daher die Fütterung komplett einzustellen und es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Darm der Tiere vollständig entleert ist. Hilfreich hierbei ist ein warmes Bad. Andernfalls fangen unverdaute Nahrungsreste während der Winterruhe im Darm an zu verfaulen, woran die Tiere letztendlich versterben. Zwergbartagamen verlassen während der Winterruhe ihr Versteck meist nur noch zum trinken. Es sollte ihnen immer frisches Wasser zur Verfügung stehen, Nahrung darf wie gesagt nicht angeboten werden.
Eine Winterruhe sollte stets von der körperlichen Konstitution der Tiere abhängig gemacht werden. Generell ist es ratsam, nur gesunde Tiere in die Winterruhe zu schicken. (Um sicher zu gehen, am besten vorher eine Kotprobe untersuchen lassen)
Nachzucht
Paarungen der Zwergbartagamen finden meist unmittelbar nach der Winterruhe statt. In der Natur sind die Tiere mit etwa 2 Jahren geschlechtsreif, im Terrarium oft schon früher. Eine zu frühe Trächtigkeit erhöht allerdings das Risiko einer Legenot beim Weibchen. Wir empfehlen daher, stets nur ausgewachsene, gesunde und vor allen Dingen blutsfremde Tiere miteinander zu verpaaren.
Im Terrarium können Paarungen das ganze Jahr über stattfinden. Das imposante Balzverhalten bereitet gerade Anfängern oft Kopfschmerzen. An dieser Stelle sei daher noch mal erwähnt, dass das heftige Imponiergehabe in Form von Kopfnicken, Liegestützen und letztendlich auch der Nackenbiss des Männchens vollkommen normal sind. Zwergbartagamen haben wenig Sinn für Romantik und gehen mit den Weibchen oft recht „grob“ um. Sind mehrere Weibchen vorhanden, wird sich das Männchen in der Regel auch mit allen verpaaren. Wenn ein Weibchen nicht paarungsbereit ist, macht es einen Buckel und droht dem Männchen mit weit aufgerissenem Maul. Lässt das Männchen nicht locker, wird das Weibchen entweder zubeißen oder flüchten.
Ein Weibchen kann im Jahr 3 – 4 Gelege produzieren. Dem trächtigen Weibchen sollte stets zusätzliches Kalzium (z. B. in Form zerstoßener Sepiaschale) angeboten werden.
Nach einer Tragezeit von 4 bis 6 Wochen erfolgt die Eiablage am Boden des Terrariums. Hierzu sollte man frühzeitig für einen geeigneten Eiablageort sorgen, da es ansonsten zu einer Legenot kommen kann. Zwergbartagamen benötigen für die Ablage einen Ort, an dem sie etwa 15 cm tief graben können. Das Substrat (am besten ein Gemisch aus Sand und Erde) sollte leicht feucht gehalten und von oben durch einen Strahler erwärmt werden. Es darf weder Staunässe entstehen, noch komplett austrocknen. Die ideale Temperatur am Eiablageplatz liegt bei 25 – 28°C. Vor der Ablage führt das Weibchen mehrere Probegrabungen durch.
Sobald das Weibchen abgelegt und die Höhle wieder verschlossen hat, sollte man die Eier aus dem Terrarium entfernen und in einen Inkubator überführen. Dabei darf man die Eier keinesfalls drehen. Der Schlupf der Jungtiere variiert je nach Inkubationstemperatur zwischen 1,5 und 2 Monaten.
trocken, um Morgentau zu simulieren, 1-3 x die Woche sprühen
Maximale Größe:
GL ca. 30 cm
Aktivität:
Tagaktives Tier
Futter:
Jungtiere: 70% Insekten, 30% pflanzliche Kost, Adulte Tiere bis zu 70% vegetarisch ernähren.
Terrariumempfehlung:
Mindestmaß für adultes Pärchen: 120 x 60 x 60 cm
Besonderheiten:
kaum Fluchtverhalten, daher meist schnell handzahm und sehr gut für Anfänger geeignet.
Quellen und weiterführende Literatur
Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!
An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...
Berichte in Zeitschriften
Müller, P.M. Bartagamen - die Gattung Pogona (STORR, 1982)
Draco 22 (aus 2005): Seiten 4-19
Ruf, D. Erfahrungen bei der Pflege und Vermehrung von Lawsons Zwergbartaga me (Pogona henrylawsoni WELSS & WELLINGTON 1985) Draco 22 (aus 2005): Seiten 54-62
Schmida, G. Betrachtungen zu ostaustralischen Bartagamen
Draco 22 (aus 2005): Seiten 46-53
Schuster, U. & Schuster, N. Langschläfer
Iguana-Rundschreiben 19 (2) (aus 2006): Seiten 11
Dieckmann, M.: Pogona henrylawsoni
Reptilia 68 (aus 2007): Seiten 90-92
Weitere Literaturempfehlungen (z. B. zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten, Nachzucht oder auch englische Literatur) findest Du in unserem Literaturverzeichnis