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Uroplatus henkeli (BÖHME & IBISCH, 1990)
Plattschwanzgecko

(engl.: Leaf-Tail Gecko)

 

 

Haltung / Anspruch


- erfahrene Echsenhalter

 

Uroplaten waren lange Zeit eine echte Seltenheit in deutschen Terrarien. Die Tiere galten als besonders anspruchsvoll und anfällig. Mittlerweile weiss man über viele Arten jedoch soviel, dass sogar Nachzuchten in Terrarien immer öfter gelingen. Dennoch sind Plattschwanzgeckos keinesfalls Einsteigertiere und sollten nur von erfahrenen Echsenhaltern gepflegt werden.

 

Abstammung / Herkunft


Geckos (Gekkonidae) stellen mit über 1.000 Arten eine große Familie dar. Man findet sie auf nahezu der gesamten Südhalbkugel und auch Teilen der Nordhalbkugel. Sie können je nach Art sowohl in Wüsten als auch in Regenwäldern überleben und es werden bis heute immer weitere neue Arten entdeckt.

 

Die Gattung Uroplatus wurde 1806 von Duméril aufgestellt. Neben Uroplatus henkeli, der erstmals 1990 von Böhme & Ibisch beschrieben wurde, gehören dieser Gattung bisher 11 weitere Arten an:

  • Uroplatus aluaudi (Mocquart, 1894)
  • Uroplatus ebenaui (Boettger, 1878)
  • Uroplatus fimbriatus (Mocquart, 1908)
  • Uroplatus giganteus (Glaw, Kosuch, Henkel, Sound & Boehme, 2006)
  • Uroplatus guentheri (Mocquart, 1908)
  • Uroplatus lineatus (Dummeril & Bibron, 1836)
  • Uroplatus sikorae (Boettger, 1913)
  • Uroplatus malahelo (Nussbaum & Raxworthy, 1994)
  • Uroplatus malama (Nussbaum & Raxworthy, 1995)
  • Uroplatus phantasicus (Boulenger, 1888)
  • Uroplatus pietschmanni (Böhle & Schönecker, 2003)

Aufgrund ihrer blattförmigen Schwänze werden diese Geckos im Englischen als "Leaf-Tail Gecko" (Blattschwanzgecko) bezeichnet.

 

Natürlicher Lebensraum


Uroplatus henkeli kommt ausschließlich im nordwestlichen Madagaskar, in der Sambirano-Region vor. In den tropischen Trockenwäldern und Steintälern Madagaskars sind Plattschwanzgeckos noch recht weit verbreitet, durch fortschreitende Abholzung der Wälder verschwindet jedoch nach und nach der natürliche Lebensraum dieser Tiere.

 



 

Plattschwanzgeckos leben bevorzugt in tropischen Trockenwäldern. Da dort die Bäume in den trockenen Monaten einen Großteil ihrer Blätter verlieren, wird diese Vegetationsform auch als laubwerfender regengrüner Trockenwald oder Saisonaler Trockenwald bezeichnet.

 

Das Klima im natürlichen Verbreitungsgebiet kann man als feucht und heiss beschreiben. Es gibt 7 bis 4 ½ feuchte Monate pro Jahr, in welchen es fast täglich ausgiebig regnet. Die Temperaturen sind ganzjährig konstant bei etwa 27°C und fallen selbst Nachts nur wenig ab. In den Tropen fällt die Durchschnittstemperatur selbst im kältesten Monat selten unter 20°C. Die Sonneneinstrahlung ist weitestgehend konstant hoch und hat eine enorme Verdunstungskraft. Da die Sonne fast senkrecht am Himmel auf bzw. untergeht, sind zudem die Dämmerungsphasen in den Tropen nur sehr kurz.

 

Schutzstatus


Der Plattschwanzgecko ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA II) geschützt. Als Halter benötigt man also einen Herkunftsnachweis und muss die Haltung der Tiere der Behörde melden.

 

Außerdem ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfügen.

 

Uroplatus henkeli wird in Deutschland sehr häufig als Nachzucht angeboten. Vom Kauf eines Wildfangtieres raten wir unbedingt ab! Entsprechende Adressen findet ihr in unserem Züchterverzeichnis

 

Allgemeines / Verhalten


Freilandbeobachtungen der Uroplaten sind bisher nur sehr wenige vorhanden. Die Bewohner Madagaskars fürchteten sich früher vor diesen Geckos, da sie aufgrund der Hautfarbe und extrem guten Tarnung der Tiere dachten, es handle sich böse Geister.

 

Beim Kauf eines solchen Tieres sollte man darauf achten, dass die Hautsäume am Schwanz nicht zur Mitte hin eingerollt sind. Das kann bei Uroplatus henkeli ein Zeichen für Krankheit oder Unterernährung sein. Beim Einfangen verhalten sich diese Geckos meist sehr ruhig. Versuchen sie jedoch nicht von der Hand zu flüchten oder zu beißen sondern hängen nur schlaff herum, kann das ebenfalls ein schlechtes Zeichen sein. Vor einer Vergesellschaftung mit anderen Tieren sollte immer vorher eine Kotprobe untersucht werden.

 

Uroplatus henkeli ist ein baumbewohnener Einzelgänger. Er kann eine Gesamtlänge von bis zu 25 cm erreichen. Tagsüber verharren diese Geckos regungslos kopfüber an Baumstämmen. Am Boden sind die Tiere nur zur Eiablage anzutreffen. Die dämmerungs- und nachtaktiven Geckos gehen erst nach Einbruch der Dunkelheit auf Insektenjagd.

 

Die Plattschwanzgeckos können sich in der freien Natur nahezu komplett auf ihre perfekte Tarnung verlassen. Ihre Hautfarbe und die zahlreichen Hautlappen lassen die Tiere optisch mit der Baumrinde verschmelzen. Fühlen sich diese Geckos bedroht, reißen sie das Maul weit auf und zeigen ihre knallrote Zunge. Dieses Warnsignal schreckt die meisten Angreifer ab.

 

Die Geschlechter lassen sich bei diesen Tieren anhand der bei männlichen Geckos an der Schwanzwurzel vorhandenen Hemipenistaschen unterscheiden. Weiblichen Tieren fehlt diese Verdickung am Schwanzansatz.

 

Eine Vergesellschaftung von Uroplatus henkeli ist – ein ausreichend großes Terrarium vorausgesetzt – mit vielen Taggeckoarten möglich.

 

Terrarium / Einrichtung


Im Terrarium sollte man Plattschwanzgeckos entweder alleine, oder aber als kleine Gruppe von einem Männchen und 2-3 Weibchen halten. Bei einer paarweisen Haltung kommt es durch den permanenten Paarungstrieb des Männchens oft zu sehr starker Beanspruchung des Weibchens, wodurch deren Lebenserwartung drastisch gesenkt wird. Von einer Haltung mehrerer Männchen in einem Becken ist generell abzuraten.

 

In einem Becken mit den Maßen 80 x 50 x 100 cm (L x B x H) lässt sich ein schönes Biotop für Uroplatus henkeli einrichten.

 

Zur Einrichtung zählen viele Äste wie z. B. Weinreben, Lianen oder Korkrinden. Die Tiere bevorzugen dabei eher dünnere Durchmesser. Um den natürlichen Stangenwald zu imitieren, können zusätzlich verschiedene Äste (z. B. Birke) senkrecht im Terrarium angebracht werden. Auf diesen Stämmen sind die Geckos aufgrund ihrer Tarnung nahezu unsichtbar.

 

Viele Hängepflanzen schaffen die nötigen Versteckmöglichkeiten. Bei der Terrariengestaltung können ohne Probleme auch echte Pflanzen (z. B. Zimmerbambus, Ficus etc.) verwendet werden. Sie bieten den Tieren viele weitere Kletter- und Versteckmöglichkeiten, eine schöne Optik und tragen zudem zum tropischen Klima im Terrarium bei. Bitte achten Sie jedoch darauf, dass die gewählten Pflanzen keinerlei Dünger oder sonstige Schadstoffe enthalten, da Uroplatus henkeli auch Sprühwassertropfen von den Blättern lecken. Für Plattschwanzgeckos sollte aber zusätzlich zum Sprühwasser auch immer eine Wasserschale mit frischem Trinkwasser zur Verfügung stehen.

 

Als Bodengrund empfehlen wir ein Gemisch aus Sand und Erde, da dies die Feuchtigkeit sehr gut speichert. Zusätzlich kann eine Laubschicht eingebracht werden. Auf Heizquellen am Boden wie Heizmatten, -Kabel oder -Steine sollte in einem Terrarium für Uroplatus-Arten verzichtet werden. Messgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit runden die Einrichtung eines artgerechten Beckens ab. Wir empfehlen stets je ein Thermometer an der wärmsten sowie an der kühlsten Stelle des Beckens. So kann ziemlich genau überprüft werden, ob das gewünschte Temperaturgefälle erreicht wird und alle benötigten Temperaturzonen vorhanden sind.

 

Beleuchtung / Klima


Als Beleuchtung für diese Tiere empfehlen wir eine Kombination aus einer Tageslichtröhre und einer UV-Röhre für tropische Terrarien (5% UVB). Ein zusätzlicher Wärmespot ist meist nicht nötig. Die UV-Röhre muss, sofern das Terrarium nicht über ein Gazetop verfügt, innerhalb des Beckens angebracht werden, da Glas UV-Licht filtert und die Stahlen sonst nicht beim Tier ankommen.

 

Im Sommer sollte die Beleuchtungsdauer bei 12-13 Stunden täglich liegen, im Winter lediglich bei 8 Stunden. (Schrittweise reduzieren!) Diese, an den natürlichen Lebensraum angepassten Tag/Nachtzyklen sind für das allgemeine Wohlbefinden und auch das Paarungsverhalten der Tiere von großer Bedeutung. Man sollte außerdem darauf achten, dass das Zimmer, in welchem das Uroplatus-Terrarium steht, Nachts nie vollkommen dunkel ist, da sich die Tiere sonst nur schwer orientieren können. Sofern kein natürliches Mondlicht ins Zimmer dringt, kann eine kleine Lichtquelle im Zimmer (z. b. Kinderlichter für die Steckdose) helfen. Wenn man statt dessen ein zusätzliches Nachtlicht im Terrarium installiert muss unbedingt darauf geachtet werden, dass dieses die Grundtemperaturen nicht zu sehr erhöht!

 

Im natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Geckos kommt es im Sommer fast täglich zu ausgiebigen Niederschlägen. Um die damit verbundene sehr hohe Luftfeuchtigkeit von 80 – 90% auch im Terrarium zu erreichen, empfehlen wir den Einsatz einer Beregnungsanlage. Alternativ muss das Terrarium täglich (am besten Abends, kurz vor Beginn der Aktivitätszeit der Tiere) mit einer Handsprühflasche ausgiebig übersprüht werden. Bitte verwenden sie hierzu lauwarmes Wasser und vermeiden sie es, die Tiere direkt anzusprühen.

 

Ein Ultraschall-Luftbefeuchter erzeugt zwar die benötigte Luftfeuchtigkeit, allerdings bleibt eine Tropfenbildung bei diesen Geräten aus. Da die Geckos jedoch einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über das Auflecken von Spühwassertropfen decken, muss beim Einsatz dieser Geräte dennoch zusätzlich gesprüht werden.

 

Ernährung


Im Terrarium können Plattschwanzgeckos mit allerlei Insekten ernährt werden. Hierzu eignen sich z. B. Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Wachsmaden oder Zophobas. Die Futtertiere stets gut anfüttern und mit einem Kalzium-Vitamin-Präparat anreichern, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

 

Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie…) oder im eigenen Garten kann man seinen Tieren in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen. Unsere heimischen Insekten werden auch als Wiesenplankton bezeichnet. Sie sind reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten – auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden. So ist z. B. das bekannte grüne Heupferd nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

 

Während Jungtiere von Uroplatus henkeli etwa alle 2 Tage gefüttert werden sollten, reicht bei adulten Exemplaren eine Fütterung 1 bis 3 mal in der Woche aus. Eine Ausnahme stellen natürlich kranke Tiere oder trächtige Weibchen da, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben.

 

 

Nachzucht


Da wir lediglich ein Einzeltier von Uroplatus henkeli gehalten haben, können wir zur Nachzucht dieser faszinierenden Tiere keine eigenen Angaben machen. Die folgenden Fakten stammen ausschließlich aus der einschlägigen Literatur.

 

Uroplatus henkeli erreicht die Geschlechtsreife mit ca. 1 Jahr. Da zu diesem Zeitpunkt das Wachstum der Geckos meist noch nicht vollkommen abgeschlossen ist, ist es jedoch ratsam, mit der Verpaarung der Tiere erst ab einem Alter von 15 – 17 Monaten zu beginnen.

 

Zu ersten Paarungsaktivitäten kommt es oft im Frühjahr, wenn die Beleuchtungsdauer wieder langsam gesteigert und die Luftfeuchtigkeit erhöht wird. Die Paarung kann zwar mehrere Stunden dauern, ist aber wenig spektakulär, da sich die Tiere dabei kaum bewegen.

 

Dem trächtigen Weibchen sollte stets zusätzliches Kalzium (z. B. in Form zerstoßener Sepiaschale) angeboten werden. Nach 4 bis 6 Wochen erfolgt die Eiablage am Boden des Terrariums. Hierzu sollte man frühzeitig etwas zusätzliche Erde sowie eine Laubschicht in das Becken einbringen. Der Schlupf der Jungtiere variiert je nach Inkubationstemperatur. In der ersten Zeit ernährt man die kleinen Plattschwanzgeckos am besten mit großen Drosophila.

 

Zusammenfassung


Schutzstatus:

WA II Meldepflicht

Verbreitungsgebiet:

Madagaskar (endemisch)

 

 

Temperatur:

24 – 28°C, Nachts: 20 – 22°C

Beleuchtung:

Sommer: 13 Stunden täglich, Winter: schrittweise bis auf 8 Stunden reduzieren,

 

Kombination aus Tageslichtröhre und UV-Röhre (mind. 5% UVB)

Luftfeuchtigkeit:

– 90% (täglich abends ausgiebig mit lauwarmem Wasser sprühen)

 

 

Terrariumempfehlung:

80 x 50 x 100 cm (L x B x H)

Maximale Größe:

Gesamtlänge bis 25 cm, KRL 12 - 16 cm

Aktivität:

Dämmerungs- & Nachtaktiv

 

 

Futter:

Insekten (Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Wachsmaden, Mehlwürmer), Obst (Babybrei)

 

 


            

Literaturempfehlungen



 

Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!

 

An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...

 

 

Berichte in Zeitschriften

 

Glaw, F.: Die Herpetofauna Madagaskars: Vielfalt, Lebensweise und Gefährdung. Draco 19 (2004): S. 4-21

 

Tomey, W.A.: Ein Plattschwanzgecko von Madagaskar - Uroplatus henkeli

das Aquarium 285 (1993): 25-28

 

Schmidt, W. & Müller, V.: Der Blattschwanzgecko Uroplatus henkeli im Terrarium

Datz 49 (2) (1996): S. 103-105

 

Böhme, W. & Ibisch, P.: Studien an Uroplatus I: Der Uroplatus fimbriatus-Komplex

Salamandra 26 (1990): S. 246-259

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

Weitere Literaturempfehlungen (z. B. zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht) findest Du in unserem Literaturverzeichnis

 

 

 

 

 

 

 

 

(c) 2008, www.reptilienland.com


 

 

 



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