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Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii
(STEINDACHNER, 1891)
Helmchamäleon

(engl. High-casqued Chameleon)

 

Haltung / Anspruch


- erfahrene Chamäleonhalter

 

Eigentlich ist das Helmchamäleon nicht sonderlich schwer zu halten. Chamäleons zeigen aber generell erst sehr spät, wenn es ihnen nicht gut geht - in der Natur ist dieses Verhalten überlebenswichtig. Da Helmchamäleons zudem in Punkto Nachtabsenkung der Temperaturen sehr spezielle Ansprüche haben, würden wir eine Haltung nur Chamäleonhaltern mit etwas Erfahrung empfehlen.

 

Abstammung / Herkunft


Die Familie der Chamäleons ist bereits mehr als 60 Millionen Jahre alt. Innerhalb dieser Familie gibt es 160 verschiedene Arten mit fast 190 Unterarten. Man unterscheidet zwischen 2 Unterfamilien: den echten Chamäleons (Chamaeleonidae) und den Erd- und Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae).

 

Das Helmchamäleon gehört innerhalb der echten Chamäleons zur Gattung Chamaeleo und der Untergattung Trioceros. Insgesamt zählen zu dieser Untergattung derzeit 36 Arten mit diversen Unterarten:

  • Chamaeleo (Trioceros) affinis
  • Chamaeleo (Trioceros) balebicornatus
  • Chamaeleo (Trioceros) bitaeniatus
  • Chamaeleo (Trioceros) camerunensis
  • Chamaeleo (Trioceros) chapini
  • Chamaeleo (Trioceros) conirostratus
  • Chamaeleo (Trioceros) cristatus
  • Chamaeleo (Trioceros) deremensis
  • Chamaeleo (Trioceros) eisentrauti
  • Chamaeleo (Trioceros) ellioti
  • Chamaeleo (Trioceros) feae
  • Chamaeleo (Trioceros) fuelleborni
  • Chamaeleo (Trioceros) goetzei
  • Chamaeleo (Trioceros) harennae
  • Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii
  • Chamaeleo (Trioceros) incornutus
  • Chamaeleo (Trioceros) ituriensis
  • Chamaeleo (Trioceros) jacksonii
  • Chamaeleo (Trioceros) johnstonii
  • Chamaeleo (Trioceros) kinetensis
  • Chamaeleo (Trioceros) laterispinis
  • Chamaeleo (Trioceros) marsabitensis
  • Chamaeleo (Trioceros) melleri
  • Chamaeleo (Trioceros) montium
  • Chamaeleo (Trioceros) narraioca
  • Chamaeleo (Trioceros) oweni
  • Chamaeleo (Trioceros) pfefferi
  • Chamaeleo (Trioceros) quadricornis
  • Chamaeleo (Trioceros) rudis
  • Chamaeleo (Trioceros) schoutedenii
  • Chamaeleo (Trioceros) schubotzi
  • Chamaeleo (Trioceros) sternfeldi
  • Chamaeleo (Trioceros) tempeli
  • Chamaeleo (Trioceros) temperi
  • Chamaeleo (Trioceros) werneri
  • Chamaeleo (Trioceros) wiedersheimi

Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii wurde erstmals 1891 von Steindachner beschrieben. Bis heute ist die Systematik dieser Art jedoch nicht vollständig geklärt. Man spricht von 2 verschiedenen Unterarten - Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii hoehnelli und Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii altaeelgonis - wobei letztere nur in Höhen von über 3.000 m vorkommt und nicht von allen Autoren auch als Unterart anerkannt wird.

 

Verbreitungsgebiet / Natürlicher Lebensraum


Chamaeleo (trioceros) hoehnelii kommt in den Gebirgsregionen von Kenia und Uganda vor, allerdings ausschließlich in Höhen von über 1.200m. Aus diesem Grund gibt es kein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet sondern mehrere zersplittete Vorkommen. Das Helmchamäleon lebt auf grünen Büschen und Sträuchern und ist so gut wie nie am Boden anzutreffen.

 



 

Das Klima in den natürlichen Verbreitungsgebieten dieser Chamäleonart zeichnet sich durch enorme Temperaturunterschiede im Tagesverlauf aus. Tagsüber klettert das Thermometer aufgrund der Höhenlagen so gut wie nie über 25°C, während nachts je nach Jahreszeit sogar die Frostgrenze unterschritten wird. Es herrscht zudem eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 100% (Nachts)

 

Schutzstatus


Das Helmchamäleon ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WAII) sowie der Europäischen Artenschutzverordnung (Anhang B) geschützt. Als Halter benötigt man somit einen Herkunftsnachweise und muss die Haltung der Tiere außerdem der Behörde melden (Bei uns: Untere Landschaftsbehörde Kreis Mettmann, Goethestr. 23, 40822 Mettmann, Tel.: 02104-0, Frau Peschkes) Andere Meldebehörden und Ansprechpartner findet ihr in unserem Bereich Artenschutz

 

Außerdem ist natürlich das Tierschutzgesetzt für jeden Halter bindend. Dieses besagt in Kurzform, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und untergebracht werden muss. Dabei darf die Möglichkeit des Tieres zu artgerechter Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder sonstige Schäden zugefügt werden. Jeder Tierhalter muss außerdem über Kenntnisse und Fähigkeiten für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung der Tiere verfügen.

 

Allgemeines über das Helmchamäleon


Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii ist eine mittelgroße Chamäleonart und erreicht nur eine durchschnittliche Gesamtlänge von 18 bis 22 cm. Wie bei vielen anderen Chamäleons sind auch bei dieser Art die Weibchen kleiner und weniger farbenprächtig als die Männchen. Sie unterscheiden sich außerdem durch niedrigere Kämme und einen kleineren Helm von ihren männlichen Artgenossen. Bei geschlechtsreifen Männchen sind zudem die Hemipenistaschen sehr gut erkennbar.

 

Obwohl Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii als typisches Hochlandchamäleon sehr spezielle Haltungsansprüche hat, wird es in Deutschland sehr häufig gehalten und auch über mehrere Generationen nachgezogen. Die Lebenserwartung der Tiere liegt bei etwa 2 bis 4 Jahren.

 

Bei Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii ist die innerartliche Aggressivität nur sehr schwach ausgeprägt, weshalb man diese Tiere durchaus auch paarweise oder in kleinen Gruppen pflegen kann. Selbst die Haltung mehrerer Männchen ist in ausreichend großen und gut strukturierten Becken möglich. Die männlichen Tiere gehen sich in der Regel einfach aus dem Weg. Es werden zudem auch keine festen Territorien gebildet sondern alle Tiere bewegen sich frei in ihrem Lebensraum.

 

Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii zeigt in der Natur ein sehr interessantes Abwehrverhalten. Die größte Gefahr stellen für diese Chamäleonart baumbewohnende Schlangen wie z. B. die grüne Mamba dar. Erblickt das Chamäleon eine Schlange, verfärbt es sich umgehend tiefschwarz, rollt den Körper zusammen und lässt sich zu Boden fallen – wohin ihm die Schlange in der Regel nicht folgt. Am Boden verharrt das Tier dann bewegungslos bis die Gefahr vorbei ist.

 

Man sollte ein Helmchamäleon niemals einfach von oben packen und aus dem Terrarium nehmen, da dies an einen Beutegreifer erinnert und erheblichen Stress beim Tier verursacht. Außerdem kann ein solch rabiates Vorgehen durch plötzliche Fluchtreaktionen des Chamäleons zu Verletzungen führen. Ist ein Handling wirklich nötig, nähert man sich am besten langsam von unten und lässt das Tier von selbst auf die Hand klettern.

 

Bevor man sich entscheidet, ein Hochlandchamäleon wie Chamaeleo (trioceros) hoehnelii zu pflegen, sollte man in jedem Fall sicherstellen, dass man auch in der Lage ist, die benötigten klimatischen Bedingungen für diese Art zu schaffen. In einer unklimatisierten Dachgeschosswohnung ist es zumindest im Sommer meistens einfach nicht möglich, eine Nachtabsenkung der Temperaturen auf maximal 15°C zu erreichen...

 

Terrarium / Einrichtung


Da diese Chamäleonart keine hohen Temperaturen benötigt, ist eine freie Haltung auf einer großen Zimmerpflanze (z. B. im schattigen Wintergarten, im Sommer auf dem halbschattigen Balkon oder ganzjährig im Blumenfenster) möglich. Wichtig ist lediglich, dass die Tagestemperaturen nicht über 25°C steigen und die benötigte Nachtabsenkung der Temperaturen gewährleistet ist. Wir halten unser Helmchamäleon erfolgreich auf einer deckenhohen, kleinblättrigen Pflanze im Badezimmer. Dort ist es nachts kalt, tagsüber dank HQI Licht und eines Fensters sehr hell, die Luftfeuchtigkeit regelmäßig sehr hoch und die Fliesen im Hintergrund ermöglichen zudem ein unkompliziertes ausgiebiges Beregnen der Pflanze. Da sich das Badezimmer nicht auf der Sonnenseite befindet, konnten wir bisher auch im Sommer die benötigten niedrigen Nachttemperaturen realisieren. Ist es aber extrem warm, sorgt zusätzlich ein Ventilator für kühlere Frischluft und häufiges Sprühen bringt ebenfalls etwas Abkühlung.

 

Das Chamäleon ist standorttreu und hat die Pflanze, die ihm aufgrund ihrer Höhe von über 2 Metern und der vielen Äste zahlreiche Kletter- und Versteckmöglichkeiten bietet, noch nie verlassen. Chemischer Dünger ist natürlich tabu, da das Chamäleon die Sprühwassertropfen von den Blättern der Pflanze leckt. Helmchamäleons haben ein hohes Frischluftbedürfnis, weshalb unser Badezimmerfenster fast immer geöffnet ist. Insbesondere wenn es draußen sehr windig ist, genießt Helmut sichtlich den frischen Luftzug. In Zeiten erhöhter Luftfeuchtigkeit (sprich Abends) wird das Fenster für ein paar Stunden geschlossen, um die Werte eine zeitlang halten zu können.

 

Der folgende kurze Clip zeigt Helmut auf einem Streifzug durch sein Zuhause

 



 

 

Natürlich ist aber auch eine Haltung im Terrarium möglich. Dieses sollte für Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii über großzügige Gazeflächen (Decke und Seitenwand) und die damit verbundene gute Belüftung verfügen, denn die Tiere sind wie gesagt sehr stickluftempfindlich. Zudem reagieren die Tiere sehr sensibel auf Staunässe. Die Belüftung des Terrariums gilt als ausreichend, wenn das Becken etwa 1 Stunde nach ausgiebigem Übersprühen wieder komplett abgetrocknet ist.

 

Auch der Standort des Terrariums ist von besonderer Bedeutung. Um die benötigte Nachtabsenkung zu erreichen, sollte das Becken in einem kühlen Raum (z. B. Flur, Keller oder klimatisierter Wohnraum) stehen.

 

In einem reich bepflanzten und gut strukturiertem Terrarium mit den Maßen 100 x 60 x 120 cm (B x T x H) können oft auch kleine Gruppen von 1 oder 2 Männchen und mehreren Weibchen gehalten werden, denn bei Helmchamäleons ist die innerartliche Aggressivität wie gesagt nur sehr schwach ausgeprägt. Eine Garantie dass es funktioniert gibt es aber natürlich nicht. Man sollte seine Tiere daher in den ersten Tagen der Vergesellschaftung sehr gut beobachten und für den „Ernstfall“ (welchen man in der Regel an dunkler Stressfärbung der Tiere erkennt) immer ein Ersatzbecken bereithalten. Dieses kommt spätestens zum Einsatz, wenn ein Weibchen trächtig ist. Denn dann wird es unverträglich und muss vom Rest der Gruppe getrennt werden. Für ein Einzeltier reicht unserer Ansicht nach eine Terrariengröße von etwa 80 x 50 x 100 cm aus.

 

Neben vielen Klettermöglichkeiten in Form von verzweigten Ästen, Wurzeln, Lianen und feinen Zweigen sollten auch entsprechende Versteckmöglichkeiten für die Tiere vorhanden sein. (Hier sind natürlich Pflanzen gemeint, keine Höhlen!) Als Klettermöglichkeit sind vor allem die fein verzweigten Äste der Korkenzieherhasel sehr gut geeignet.

 

Aufgrund des feuchten Klimas gedeihen echte Pflanzen in einem Terrarium für Helmchamäleons sehr gut. Neben der schönen Optik tragen echte Pflanzen zum natürlichen Klima bei und bieten insbesondere bei einer paarweisen Haltung den Tieren die erforderlichen Versteckmöglichkeiten und den Sichtschutz gegenüber dem Artgenossen. Bei der Bepflanzung eines Terrariums sollte darauf geachtet werden, dass die gewählten Pflanzen keinerlei Dünger oder sonstige Schadstoffe enthalten. In einigen Terraristikfachgeschäften sind daher spezielle Terrarienpflanzen im Angebot. Neue Pflanzen immer mehrfach abduschen und die Blätter gut abwaschen. Es gibt außerdem einige Arten, die für die Tiere giftig sein können. Hier sollte man sich vorab in jedem Fall gut erkundigen. Für Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii kann man z. B. Philodendron oder Ficus-Arten, kleinblättrige Rankpflanzen oder Farngewächse einsetzen.

 

Als zusätzlichen Sichtschutz empfiehlt sich die Verkleidung der Rück- und Seitenwände des Terrariums. Durch Anbringung von Korkplatten können die Tiere diese als zusätzliche Aktionsfläche nutzen und fühlen sich durch den Sichtschutz zudem etwas sicherer. Als Bodengrund eignet sich am besten ungedüngte und schadstofffreie Blumenerde oder ein Sand-Torf-Gemisch, da dieses die Feuchtigkeit sehr gut speichert. In guten Terraristikfachgeschäften ist spezielle Terrarienerde erhältlich.

 

Messgeräte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit runden die Einrichtung eines artgerechten Terrariums ab. Am besten bringt man je ein Thermometer an der wärmsten sowie an der kühlsten Stelle des Beckens an. So kann ziemlich genau überprüft werden, ob das gewünschte Temperaturgefälle erreicht wird und alle benötigten Temperaturzonen vorhanden sind.

 

Beleuchtung / Klima


Grundbeleuchtung / Wärme

Im Gegensatz zu vielen anderen Chamäleonarten hat das Helmchamäleon als Hochlandbewohner in Punkto Beleuchtung spezielle Ansprüche. Steht das Terrarium in bewohnten sprich beheizten Räumen ist in den meisten Fällen kein Spotstrahler zur Erwärmung notwendig. Der natürliche Lebensraum dieser Chamäleonart ist oft sehr nebelig und wolkenverhangen und die Tiere versuchen daher, sobald die Sonne scheint soviel wie möglich davon abzukriegen. Installiert man einen Spotstrahler im Terrarium kann das zu Austrocknung oder üblen Verbrennungen führen und schlimmstenfalls sogar den Tod der Tiere zur Folge haben. Die Tagestemperaturen dürfen für diese Art keinesfalls über 25°C steigen, mehrere Temperaturzonen von 20 – 24°C sind ideal für diese Tiere. Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii ist aber sehr lichthungrig. Als Grundbeleuchtung verwendet man daher am besten Leuchtmittel, die zwar Helligkeit aber nur wenig Wärme erzeugen (z. B. Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen oder HQI Lampen mit geringer Wattstärke).

 

Im Verbreitungsgebiet dieser Chamäleonart wird es Nachts sehr kalt. Je nach Jahreszeit wird teilweise sogar der Gefrierpunkt erreicht, was den Tieren keinerlei Probleme bereitet. Das Helmchamäleon benötigt daher in jedem Fall eine Nachtabsenkung der Temperaturen um mindestens 10°C. Je nach Standort des Terrariums sollte das Zimmer zumindest im Sommer klimatisiert sein. Die Beleuchtungsdauer liegt bei etwa 12 Stunden täglich.

 

 

UV-Beleuchtung

Natürlich wird auch von dieser Chamäleonart UV-Strahlung benötigt (UV-A und UV-B). Die UV-B Strahlung ist für einen besonders wichtigen Stoffwechselprozess des Helmchamäleons Voraussetzung. Sie bewirkt, dass das für den Knochenaufbau und den Blutkalziumspiegel wichtige Vitamin D3 gebildet werden kann. Futterzusätze als alleinige Vitamin D3 Quelle reichen nicht aus und können allenfalls als sinnvolle Ergänzung gesehen werden. Mangelt es den Tieren an UV B Licht, sind schwerwiegende Stoffwechselerkrankungen (u. a. Rachitis) die Folge. Das fehlende Kalzium wird den Knochen entzogen und die fortschreitende Entmineralisierung des Körpers führt zu Knochenerweichungen. Die Tiere fangen an zu zittern, es kommt zu Knochendeformierungen und -brüchen und letztendlich zum qualvollen Tod des Tieres. Oft kann nur durch eine langwierige Behandlung das Leben des Tieres gerettet werden. Einmal aufgetretene Deformierungen sind jedoch irreparabel und bleiben dauerhaft bestehen. UV-A Licht kann von Reptilien im Gegensatz zum Menschen wahrgenommen werden. Beim Einsatz von UV-A Licht können die Tiere ihre Umwelt besser wahrnehmen, sind aktiver, fressen besser und verpaaren sich unter umständen auch lieber.

 

Als Hochlandbewohner trifft dieses Chamäleon in der Natur eine besonders hohe UV-Konzentration. Die Tiere sollten daher 2 bis 3 mal in der Woche für jeweils 30 Minuten mit einem UV-Flächenstrahler (z. B. Osram Ultra Vitalux) bestrahlt werden. Diese Beleuchtungsdauer sollte nicht unterschritten werden, da die Lampe alleine 15 Minuten benötigt, um die maximale UVB-Abstrahlung zu erreichen. Der Abstand von der Lampe zum Tier sollte aufgrund der hohen Leistung 80 cm nicht unterschreiten, sonst drohen Verletzungen an Haut und Augen. UV-Flächenstrahler sind daher nur in sehr großen Terrarien für eine feste Installation geeignet. Ist dies nicht möglich, können die Tiere auch außerhalb des Beckens mit UV-Licht versorgt werden. Dazu setzt man das Chamäleon einfach in eine Faunabox oder auf eine Zimmerpflanze und platziert den UV-Strahler in entsprechendem Abstand darüber. Hierzu kann man z. B. die Fassung einer Schreibtischlampe oder spezielle Klemmlampen verwenden. Bei einem offenen Terrarium kann die Lampe aber auch einfach darüber gehängt und mittels Zeitschaltuhr gesteuert werden. Bitte beachten: Glas filtert UV-Licht! Das Terrarium sollte also oben wirklich komplett offen oder aber mit einem UV-durchlässigen Gazetop versehen sein, sonst kommt die lebensnotwendige Strahlung nicht beim Tier an. Bei einer Freilandhaltung (z. B. im Garten oder auf dem Balkon) ist natürlich keine zusätzliche UV-Strahlung nötig.

 

 

Luftfeuchtigkeit

Im natürlichen Verbreitungsgebiet von Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii herrscht vor allem Nachts eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit von nahezu 100%. Tagsüber schwanken die Werte zwischen 50 und 80%. Um solch hohe Werte zu erreichen, muss das Terrarium mehrmals täglich ausgiebig übersprüht werden. Dieser Vorgang kann durch den Einsatz einer Beregnungsanlage leicht automatisiert werden. Ultraschall-Luftbefeuchter erzeugen zwar ebenfalls eine hohe Luftfeuchtigkeit, allerdings bleibt bei diesen Geräten die Tröpfchenbildung aus, so dass zusätzlich trotzdem regelmäßig gesprüht werden muss – es sei denn, die Tiere sind an das Trinken via Tropftränke oder Pipette gewöhnt. Auch auf die Gefahr hin, das wir uns wiederholen: Staunässe muss unbedingt vermieden werden, denn darauf reagiert Chamaeleo (trioceros) hoehnelii sehr empfindlich!

 

Ernährung


Das Helmchamäleon frisst alle üblichen Futtertiere wie z. B. Fliegen, Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Wachsmaden, Motten, Raupen oder Schaben. Bevorzugt werden allerdings meistens Fluginsekten. Die Futtertiere sollten stets mit einem Vitamin- und Mineralstoffpräparat angereichert werden. Eine Fütterung alle 2 bis 3 Tage reicht bei adulten Exemplaren vollkommen aus, denn Helmchamäleons neigen dazu, mehr zu fressen als sie tatsächlich verwerten können. Die Folge sind oft Verfettungen, die wiederum eine geringere Lebenserwartung zur Folge haben. Eine Ausnahme bilden natürlich kranke Tiere oder trächtige Weibchen, die öfter gefüttert werden sollten.

 

Jungtiere von Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii sollten täglich gefüttert werden. Die Tiere schießen schon kurz nach der Geburt selbstständig ihr Futter, wobei dieses bis zu 4 cm weit entfernt sein kann. Am besten ernährt man die Jungtiere mit angereicherten Microheimchen, Springschwänzen oder Fruchtfliegen.

 

Auf unbelasteten Wiesen (ohne Dünger, Pestizide, Autos, Industrie…) oder im eigenen Garten kann man seinem Tier in den Sommermonaten ein sehr nährstoffreiches Futter selber fangen. Unsere heimischen Insekten werden auch als Wiesenplankton bezeichnet. Sie sind reich an Nährstoffen und durch die große Artenvielfalt ein sehr abwechslungsreiches Futter. Aber egal ob in der freien Natur oder im heimischen Garten – auch bei Insekten muss auf den Artenschutz geachtet werden. So ist z. B. das bekannte grüne Heupferd nach der Bundesartenschutz-verordnung streng geschützt.

 

Die folgenden beiden Videos zeigen unser Helmchamäleon "Helmut" beim schießen einer kleinen Heuschrecke...

 




 

 




 

 

Helmchamäleons decken den größten Teil Ihres Wasserhaushaltes durch das Auflecken der Sprühwassertropfen von Einrichtungsgegenständen und Pflanzen. Da sie zudem eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen, muss das Terrarium mindestens 1 bis 2 x täglich mit einer Handsprühpumpe ausgiebig übersprüht werden. Durch den zeitweisen Einsatz einer Beregnungsanlage kann dieser Vorgang leicht automatisiert werden. Hält man die Tiere außerhalb eines Terrariums ist es empfehlenswert, die Tiere an das Trinken aus einer Pipette zu gewöhnen und sie so mindestens 3 mal in der Woche ausgiebig zu tränken.

 

Auf den folgenden beiden Videos seht Ihr Helmut beim trinken der Sprühwassertropfen...










Zucht


Da wir selber derzeit nur ein Einzeltier pflegen, haben wir noch keine eigenen Nachzuchterfahrungen mit dieser Chamäleonart gemacht. Es gibt jedoch zahlreiche sehr gute und ausführliche Berichte in der einschlägigen Literatur, weshalb wir an dieser Stelle lediglich auf ein paar Grundsatzfragen eingehen.

 

Chamaeleo (Trioceros) hoehnelii erreicht die Geschlechtsreife schon mit etwa 6 Monaten. Mit einer Verpaarung sollte man aber besser warten, bis die Tiere mindestens 8 bis 12 Monate alt sind. Die Nachzucht ist sehr unproblematisch, da Helmchamäleons ovovivipar also ei-lebendgebärend sind. Allerdings werden trächtige Weibchen oft unverträglich gegenüber Artgenossen, selbst wenn ein Zusammenleben vorher problemlos funktioniert hat. In einem solchen Fall muss das Tier umgehend vom Rest der Gruppe getrennt werden.

 

Die Weibchen sind nach einer Paarung bis kurz vor der Geburt extrem fressgierig und haben einen erhöhten Nährstoffbedarf. Futtertiere sollten daher in dieser Zeit sehr gut mit Kalzium und Vitaminen angereichert werden. Die Trächtigkeit dauert zwischen 4 und 6 Monaten und auch die Größe des Wurfes variiert sehr stark. In der Literatur ist von 4 bis 22 Jungtieren die Rede, wobei ältere Weibchen häufig mehr Jungtiere zur Welt bringen als jüngere Mütter. Die kleinen Chamäleons werden entweder einfach zu Boden fallen gelassen oder aber samt Eihülle an Äste geklebt. Bei der Geburt ist zu beachten, dass die Luftfeuchtigkeit erhöht, die Temperatur aber auf etwa 20°C gesenkt ist. Junge Helmchamäleons sind sehr empfindlich gegenüber hohen Temperaturen und Stickluft, sie sollten daher bei maximal 22°C und in sehr gut belüfteten Behältern aufgezogen werden. In der Literatur wird außerdem eine Einzelaufzucht empfohlen. Junge Helmchamäleons sind extrem fressgierig und können von Anfang an ihr Futter selbstständig schießen. Die Futterinsekten sollten stets zusätzlich mit Mineralstoffpräparaten angereichert werden. Das Weibchen ist schon wenige Wochen nach der Geburt erneut paarungsbereit.

 

Zusammenfassung


Schutzstatus:

WA II / Anhang B (Melde- und Nachweispflicht!)

Verbreitungsgebiet:

Ostafrika

 

 

Temperatur:

Tagsüber: 20-24°C (keinesfalls höher!), Nachts Absenkung um mindestens 10°C

Beleuchtung:

12 Stunden täglich, UV-A und UV-B Strahlung, Leuchtstoffröhre

Luftfeuchtigkeit:

Tagsüber 50 - 80 %, Nachts: bis 100% (mehrfach täglich sprühen oder Beregnungsanlage)

 

 

Terrarium:

Einzelhaltung 80 x 50 x 100 cm, Gruppe: 100 x 60 x 120 cm (B x T x H)

Maximale Größe:

GL ca. 18 - 22 cm

Aktivität:

Tagaktiv

Futter:

kleine Insekten, regelmäßig Vitamine



            

 

 

 

Quellen und weiterführende Literatur



 

Es hat Dich gepackt und Du hast ernsthaftes Interesse an der Haltung dieser faszinierenden Art? Für eine erfolgreiche Pflege ist weiterführende Literatur ein absolutes Muss!

 

An dieser Stelle gibts daher ein paar Empfehlungen, wobei die Reihenfolge der einzelnen Publikationen rein zufällig ist...

 

 

Berichte in Zeitschriften

 

Nertinger, J. (1971): Zucht und Pflege von Chamaeleo hoehnelii - DATZ, Stuttgart, 24 (9): S. 312 - 315

 

Andren, C. (1976): The reptile fauna in the lower alpine zone of Aberdare and Mt. Kenya

British Journal of Herpetology 5: S. 566-575

 

Krintler, K. (1977): Nachwuchs beim Helmchamäleon

Datz 30 (10): S. 352 - 354

 

Daiss, S. (1978): Haltung und Aufzucht von Chamaeleo hoehnelii

Datz 31 (2): S. 64 - 67

 

Rühmekorf, B. (1981): Durch Nachzucht erhalten: Helmchamäleons

Aquarien Magazin, 15 (10): S. 663 - 667

 

Dathe, F. (1986): Chamaeleo hoehneli STEINDACHNER, 1891 - Hoehnels oder Helm - Chamäleon

Aquarien Terrarien, 33 (6): S. 216

 

Leptien, R. & Nagel, F. (1989): Erläuterungen zu einigen Grundsatzfragen in der Chamäleonhaltung

Sauria 11 (4): S. 9-8

 

Schmidt, W. (1990): Anmerkungen zur Pflege von Chamäleons - DATZ, Stuttgart, 43 (5): S. 269 - 272

 

Rödel, M. O. (1990): Amphibien und Reptilien in kenianischen Nationalparks - DATZ, Stuttgart, 43 (9): S. 555 - 558

 

Schmidt, W. (1998): Über die Chamäleons Ostafrikas (Schluß) - DATZ, Stuttgart, 51 (1): S. 36 - 40

 

Heinecke, S. (1999): Eine Reise zur grünen Perle Ostafrikas

Datz 52 (10): S. 8-12

 

Müller, R. & Walbröl, U. & Koch, A. (2007): Weitere Beobachtungen und Bemerkungen zur Wasseraufnahme bei Chamäleons (Sauria: Chamaeleonidae)

Sauria 29 (1): S. 23-32

 

Böhle, A. (2007): Die Haltung von Hochland-Chamäleons

Draco 27: S. 40-44

 

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

                                      

 

 

Weitere Literaturempfehlungen (z. B. allgemeine Echsenbücher, Literatur für Anfänger, Bücher zum Terrrarienbau, der Einrichtung und Bepflanzung von Terrarien, Reptilienkrankheiten oder der Nachzucht einzelner Arten) findest Du in unserem Literaturverzeichnis

 



 

 

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